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CD der Woche 02. Mai 2011

Leyendas Urbanas

Chupacabras

Galileo Music

Chupacabras - Leyendas Urbanas; Galileo Music Bild vergrößern

Den Begriff "Mestizo-Band" hört die achtköpfige Combo nicht besonders gerne. Sie möchte sich nicht in eine Schublade pressen lassen, und tatsächlich prallen eine Menge Stile in ihrer Musik aufeinander. Deswegen nennen die Chupacabritos ihren eigenen tanzbaren und energiegeladenen Stilmix "Chupastylee", dessen Hauptzutaten Cumbia, Ska, Hip Hop, Reggae, Salsa und Merengue sind.


Die Geburt des Chupastylee

Die ältesten Bandmitglieder sind die Sänger Richard Guerra Medina aus Peru und Miguel Igler aus Spanien, die gemeinsam in Köln zur Schule gingen. Während ihrer täglichen Fahrten starteten sie erste Rap Sessions in der Straßenbahn, hier entstand die Idee des ChupaStylee. In der multikulturell geprägten Domstadt trafen sie rasch auf Gleichgesinnte, unter anderem auf den Bassisten Sven Ostrowski und die charmante Chilenin Pia Miranda, die am Mikrofon und an der Posaune brilliert. Den Mexikaner Josue Avalos entdeckte Richard zufällig in einer Fußgängerzone, während er mit seinem Vater spazieren ging. Ursprünglich sollte der Straßenmusiker für ein Konzert als Ersatz-Gitarrist einspringen. Mittlerweile ist Josue nicht nur festes Mitglied, sondern auch einer der wichtigsten Songschreiber der Chupacabras.
Aus dem bunten Background der Bandmitglieder und ihren musikalischen Vorlieben entsteht eine bemerkenswerte kompositorische Vielfalt und ein unverwechselbarer Stil, der sich ständig entwickelt und um neue Nuancen erweitert wird.


Urbane Legenden

Der Titel ihres zweiten Albums "Leyendas Urbanas" verrät es bereits; die Chupacabras sind passionierte Geschichtenerzähler.
Alle Texte kreisen um das moderne städtische Leben in Europa und in Lateinamerika, oft persönlich, aber auch politisch und gesellschaftskritisch. In "Paren" wird die Skrupellosigkeit von Alán García Pérez, dem neuen und alten Präsidenten Perus angeklagt, in "Memoria Negra" geht es um die Geschichte der schwarzen Sklaven in Südamerika. Kritik kann bei den Chupacabras aber auch humorvoll sein. Minutiös wird im Song "Malo" die Story eines Gangsta-Rappers von der Geburt bis zum ersten Überfall erzählt, besonders gelungen ist der Gastauftritt des Künstlers Lish á Bon, er übernimmt den Part der Gangster-Mama, die den Möchtegern-Kriminellen in die Realität zurückholt. In "Cumbia del destino" oder "Scandalo" wird von nächtlichen Abenteuern gerappt und gesungen, die Musiker übernehmen dabei immer wieder fiktive Rollen und erzählen liebevoll ausgeschmückte Stories von Dieben, Taxifahrten und exzessiven Festen, eben urbane Legenden.
Auch die Geschichte des Chupacabra (wörtlich: "Ziegenlutscher") selbst darf natürlich nicht fehlen. Von einem südamerikanischen Bauern wird er dabei gesehen, wie er in ein Flugzeug nach Köln steigt, nachdem er gerade noch seinen Blutdurst an einigen Ziegen gestillt hat.


Zeit, Liebe und die deutsche Sprache

Obwohl die spanische Sprache ganz klar den Ton der "Leyendas Urbanas" vorgibt sind auch deutsche Lyrics zu hören, vorgetragen von Gastmusikern wie Lish á Bon oder Mavys, der in "Carrera" die Zeilen "Gehst immer, stehst nie still, bist immer da, du bist alles was ich will!" singt. Hier geht es nicht etwa um eine Frau, sondern um die Zeit, die manchmal davonrennt, manchmal aber auch einfach nicht verstreichen will. Vom neun Sekunden langen Song "Eile" und dem instrumentalen Skit "Tomarse El Tiempo" ("Nimm dir die Zeit") wird das Stück umrahmt. Eine musikalische Pointe, die zeigt, dass die Geschichten der Chupacabras auch in ihrem Sound selbst zu finden sind.
Der dritte deutsche Gastmusiker ist Daniel Hermes von der befreundeten Kölner Band Schlagsaite. Am Ende des Albums gibt er im Bonus Track eine übersetzte Version des Songs "Escalandra" aus der Feder von Josue Avalos zum Besten. Ein Lied über Liebe und Leidenschaft, die nicht immer im Einklang miteinander stehen. Auch die Songs "Tremenda" und "Cuidate Mami" kreisen um das wahrscheinlich beliebteste Thema der Musik, wobei gerade im letzteren Song deutlich wird, das es den Chupacabras nie um schlichte Love-Songs geht. "Cuidate Mami" kritisiert die sexistische Darstellung von Frauen im Reggaeton und die Plattenfirmen, die damit das große Geld machen.


Ein modernes Monster Frankenstein

Den Chupacabras ist es mit "Leyendas Urbanas" gelungen, ihre Qualitäten als Live-Band ins Studio zu übertragen. Zwischen Latin-Sounds und Hip-Hop haben sie einen eigenen Stil entwickelt, der sich wohltuend von gutgemeinten, aber beliebigen Fusion-Sounds absetzt. Die erste Hälfte des Albums steht ganz im Zeichen folkloristischer südamerikanischer Klänge, Cumbia und Salsa geben den Ton an, zum Ende treten relaxte Beats in den Vordergrund. Und wie sich ihr Soundgebräu zu ihrem Namensgeber verhält, erklären die Chupacabras mit gesundem Sinn für Dramatik und Ironie: "Wir sind das moderne Monster Frankenstein, zusammengenäht aus den Resten der sterbenden Kulturen, doch unter unserem Narbengewebe pulsiert die heiße Energie des Lebens."
(Keno Mescher)



TitelLeyendas Urbanas
VertriebGalileo Music


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