Dienstag, 21.05.2013
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Musik
Storms Of Life
TeTe Music/ Groove Attack
Silly Walks sind Pioniere der deutschen Reggaeszene. Die Hamburger brachten Jan Delay den Reggae näher, mit Patrice produzierten sie ein ganzes Album, und Gentleman war sogar Mitglied der Crew. Auf ihrem neuen Album "Storms Of Life", unserer CD der Woche, versammeln Silly Walks namhafte und aufstrebende Reggaesänger.
"Storms of Life" beginnt mit einem lockeren Modern-Roots-Song mit dem Jamaikaner Torch und einer programmatischen Ansage: "Play me some good Reggae Music!" Denn auch in der Heimat des Reggae ist es so, dass auf den Parties hauptsächlich programmierter Dancehallsound aus den Boxen dröhnt. "Anytime the Reggae plays, it brings stress relief", singt Torch. Einmal tief durchatmen und schon ist man im Bann des neuen Albums von Silly Walks.
Etablierte Künstler wie Gentleman und Newcomer wie Etzia geben ihr Bestes auf den druckvoll wummernden Produktionen aus Hamburg. Neben kämpferischen und sozialkritischen Ansagen hört man auf dem Album auch entspannten Lovers Rock und natürlich flotten Dancehall. Eine ausgewogene Mischung, ganz wie die DJ-Sets von Silly Walks. Die Erfahrung von über 20 Jahren stecken in den 16 Stücken.
Begonnen hat alles in der alternativen Szene von Hamburg, als der ehemalige Punk-Schlagzeuger Oliver Schrader mit seinen Freunden in besetzten Häusern anfängt, Reggae aufzulegen. Eines der Häuser ist nach dem Monthy-Python-Sketch "Ministry Of Silly Walks" benannt - und schon ist ein Name für die Crew gefunden. In dieser Aufbruchzeit Anfang der 90er Jahre machen Silly Walks viele Menschen erstmals mit Reggaeparties im jamaikanischen Stil bekannt. Auch nach über zwanzig Jahren ist die Basis noch in Hamburg, direkt im inzwischen hip gewordenen Schanzenviertel. Hier leben Silly-Walks-Gründer Oliver Schrader und gleich um die Ecke sein MC Joscha Hoffmann. Praktischerweise hat auch Junior Blender, einer der angesehensten Reggae-Produzenten der Republik, sein Kellerstudio zwei Straßen weiter. Gemeinsam mit Jr. Blender produzierten sie die Instrumentals zu "Storms Of Life". Von da aus gingen die Riddims um die Welt. Silly Walks MC Joscha nahm einen Großteil der Gesangsspuren in Jamaika auf und hielt dabei auch Ausschau nach neuen Talenten.
Schon auf ihrem ersten Album "Songs Of Melody" von 2002 förderten Silly Walks aufstrebende Sänger. Diese Tradition setzt sich auf "Storms Of Life" fort. So hört man hier etwa die Rasta-Poetin und Sängerin Jah 9. In dem melodiösen Stück "Brothers" macht sie Männern Mut, die hart arbeiten und für ihre Familie sorgen. Keine Selbstverständlichkeit in einem von Armut gebeutelten Land wie Jamaika. Das kämpferische Stück "Can't Bridge My Defense" zeigt den Neuling RC in Bestform. Daneben stehen etablierte Reggaekünstler - der bekannteste unter ihnen ist der ehemalige Silly-Walks-Gefährte Gentleman, der in "Mountain High" Kritik an korrupten Politikern übt. Der Beat klingt wie eine Mischung aus HipHop und Reggae mit schnellem Tempo und sanft angeschlagener Akustikgitarre. So findet auch eine neue Reggaeästhetik ihren Weg auf das Album. Abgerundet wird "Storms of Life" von entspanntem Lovers Rock mit den großen Stimmen von Da'Ville und Hezron.
Silly Walks ist mit "Storms Of Life" ein beeindruckendes Album gelungen, das locker mit internationalen Top-Produktionen aus Jamaika mithalten kann - nicht nur für Reggae-Liebhaber. Ihr Sound greift den universellen Spirit der Musik auf. Bei Silly Walks triumphiert zeitlose Qualität über schnelllebige Trends.
(Adrian Nowak)
| Titel | Storms Of Life |
|---|---|
| Vertrieb | TeTe Music/ Groove Attack |
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