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CD der Woche 13. August 2012

"A Curva da Cintura"

Arnaldo Antunes, Edgard Scandurra, Toumani Diabaté

(Mais Um Discos)

In Brasilien zählt der Poet und Songwriter Arnaldo Antunes aus São Paolo zu den innovativsten Köpfen. Mit seinem Album "A Curva da Cintura", einer Kollaboration mit dem Kora-Meister Toumani Diabaté, wagt er nun einen transatlantischen Brückenschlag der besonderen Art. Die Brasilien-Mali-Connection ist unsere CD der Woche.


Arnaldo Antunes - A Curva da Cintura"; Mais Um Discos


Mit einem Trio wurde er das erste Mal über seine Heimat hinaus bekannt: als Teil der Tribalistas feierte Arnaldo Antunes an der Seite seiner brasilianischen Kollegen Marisa Monte und Carlinhos Brown vor zehn Jahren in mehreren europäischen Ländern, von Italien über Deutschland bis Portugal, einen spektakulären Charts-Erfolg. Eine Dekade später ruft sich der Poet und Songwriter aus São Paolo mit einem weiteren Trio-Projekt wieder in Erinnerung. Auf "A Curva da Cintura" spielt Arnaldo Antunes nun allerdings eindeutig die Hauptrolle.


Major Tom in Mali

Arnaldo Antunes A Curva da Cintura; Mais Um Discos Bild vergrößern

"A Curva da Cintura"

Völlig losgelöst von der Erde, so schwebt der 52-jährige im Opener "Ce Nao Vai Me Acompanhar" heran. Zu treibenden Gitarren und einem geraden Beat gleitet er auf seiner Space-Odyssee durch sphärische Harfenklänge wie ein Astronaut durch Sternenstaub: Major Tom in Mali. Auch im groovenden Titeltrack "Curva da Cintura" umkränzen die flirrenden, zirpenden Klänge einer westafrikanischen Kora seinen nervösen Gesang.


Magischer Mande-Gesang

Entrückt von Zeit und Raum, so fließt hingegen "Kaira" dahin - ein meditatives Meisterwerk, das für Toumani Diabaté große Bedeutung hat, weil es schon sein Vater im Repertoire hatte. Das Stück handelt von der Macht der Musik, einen Wandel herbeizuführen, und gibt damit das perfekte Motto für dieses Album vor, das seine Hörer in andere Sphären versetzt. Die Kora klimpert, Arnaldo Antunes knödelt, und aus dem Hintergrund meldet sich Toumanis Schwägerin Safiatou Diabaté, die Frau seines jüngeren Bruders Sidiki, mit einem magisch anmutenden Mande-Gesang, der diesem Crossover seinen ganz speziellen Zauber verleiht.


Afrikanischer Hillbilly

Ein weiterer Höhepunkt ist das countrieske "Ir Mao": da tritt Zoumana Terata mit seiner Soku-Fiedel in einen Wettstreit mit einer Blues-Slide-Gitarre. Er stimmt einen grimmigen Griot-Gesang an, als wäre er ein afrikanischer Hillbilly, traktiert sein Instrument, bis es wie ein Banjo klingt und quält dessen Saiten, bis sie jodeln. So verschmelzen der Niger und der Mississipi für einen Moment zu einem gemeinsamen Strom. Auf solche Ideen muss man erst mal kommen.


Avantgarde aus São Paolo

Der 52-jährige Arnaldo Antunes gilt als innovativer Kopf der kosmopolitischen Musikszene der Millionenstadt São Paolo, seit er dort in den Achtzigerjahren seine Karriere in der Rockband Titas begann. Mehr am New Wave als am Samba geschult, verfügt er über keine schöne, aber eine zweifellos interessante Stimme, die von sonorem Sprechgesang bis zu schrillen Tönen changiert, sein avantgardistischer Pop-Stil hat ihm schon häufiger Vergleiche mit David Byrne eingebracht.


Kollabo-Kora-Meister

In Toumani Diabaté hat Antunes einen ebenso experimentierfreudigen Gegenpart gefunden. Der 56-jährige Kora-Meister, der weltweit für sein sublimes Spiel auf der westafrikanischen Langhalsharfe gerühmt wird, stammt aus einer renommierten Musiker-Dynastie, die auf gut 60 Generationen zurück blicken kann. Der zweifache Grammy-Gewinner hat sich aber stets offen für Neues gezeigt und ist vielfach kollaborationserprobt. Im Laufe der Jahre hat er mit der spanischen Flamenco-Gruppe Ketama, dem Blues-Musiker Taj Mahal, der isländischen Posängerin Björk oder mit dem kalifornischen Globetrotter Ry Cooder zusamen gearbeitet. Zuletzt, auf dem Album "Afrocubism", tauschte er sich mit kubanischen Musikern um den Buena Vista-Social-Club-Veteranen Eliades Ochoa im Studio aus. Von diesem Projekt sind jetzt wieder der Balafon-Virtuose Fode Lassane Diabatße, der das westafrikanische Xylophon klöppeln darf, sowie Zoumana Terata mit seiner Soku-Fiedel mit von der Partie. Neu hinzugekommen ist Toumani Diabatés Sohn Sidike, der in seiner Experimentierfreude noch einen Schritt weiter geht als sein Vater - auf einigen Stücken entlockt er seiner Kora sogar mit einem Wah-Wah-Pedal gänzlich neue Töne.


Edgar rockt

Der Dritte im Bunde, Edgar Scandurra, ist in Brasilien eine große Nummer, aber außerhalb seiner südamerikanischen Heimat fast unbekannt. Mit der Rockband Ira! hat er ein gutes Dutzend Alben aufgenommen und sich als Sänger und Ausnahme-Gitarrist einen Namen gemacht, daneben stand er Arnadlo Antunes aber auch schon auf mehreren Alben als musikalischer Partner zur Seite. So auch jetzt wieder.


Einladung nach Bamako

Die Drei lernten sich 2010 lernten beim renommierten Festival "Back 2 Black" in Rio de Janeiro kennen. Auf Einladung von Toumani Diabaté reisten die Brasilianer dann im April 2011 mit einer Handvoll eigener Songs im Gepäck nach Bamako. Dort trat das Trio gemeinsam in Diabatés Club "The Diplomat" auf und traf sich zu Aufnahme-Sessions im Studio.


Transkontinentaler Dialog

Während Diabaté mit seinem eleganten Harfensspiel auf "Curva de Cintura" nun vor allem die Balladen wie "Grao De Chaos" and "Psiu" abrundet, ist sein Sohn Sidiki für die schnelleren Songs zuständig. Manchmal - insbesondere auf den Songs, die ans Ende des Albums gestellt wurden - ist die Kora wenig mehr als bloßes Beiwerk, das den fluffigen Brasilpop wie eine Girlande garniert. In den besten Momenten des Albums greift das lebendige Koraspiel dabei aufs Schönste mit Scandurras innovativer Gitarre ineinander. Auf diese Weise treten die Brasilaner in einen intimen Dialog mit den Musikern aus Mali.
(Daniel Bax)



Titel"A Curva da Cintura"
Vertrieb(Mais Um Discos)



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