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CD der Woche 27. August 2012

"Hallo Welt!"

Max Herre

Nesola / Universal

Max Herre hat seinen eigenen Radiosender gegründet und sendet über den Globus. Diese Idee steckt hinter seinem neuen Album "Hallo Welt!", unserer CD der Woche. Als Frontmann von Freundeskreis hat er deutschsprachigen HipHop geprägt. Solo hat sich Herre bereits als Singer-Songwriter und Soulsänger probiert. Nun rappt er wieder - zusammen mit Patrice, Fetsum oder Cro.


max herre; Universal


Eine Bretterbude ziert das Cover von Max Herres neuem Album "Hallo Welt!" Auf dem Wellblechdach steht eine Antenne: das ist der Piratensender KAHEDI. Es ist das Symbol für die gleichnamige Kreativschmiede, die hinter der Album steht: dem Produzenten-Team von Max Herre und seinen Kollegen Samon Kawamura und Roberto Di Gioia. In ihrem Studio - einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Berlin - hat das Trio bereits Musik für Joy Denalane, Y'Akotos und Samy Deluxe gemacht. Mit "Hallo Welt!" ist ihnen nun der große Wurf gelungen.


In die Welt senden

Max Herre; Universal Bild vergrößern

Max Herre: "Hallo Welt"

Max Herre dreht gleich zu Anfang des Albums an einem imaginären Weltempfänger. Jeder Song hat eine andere Messsage und einen eigenen Stil. Die Hörer bekommen einen collagenartigen Stilmix aus Reggae, Soul und sogar Rock. Das Fundament bildet jedoch die Königsdisziplin des ehemaligen Freundeskreis Sängers: Der HipHop. Herre liefert mit seinem dritten Solo-Album ein Update seiner musikalischen Wurzeln. Für die meisten der 15 Songs hat er sich dazu alte und neue Weggefährten ins Studio geholt. Große Namen aus unterschiedlichen Genres sind vertreten: Von der Schweizerin Songschreiberin Sophie Hunger über den kalifornischen Soulsänger Aloe Blacc bis zum Senkrechtstarter Cro aus Herres alter Heimatstadt Stuttgart. Gemeinsam schicken sie Botschaften zwischen Aufbruchstimmung und Zweifel, sozialem Engagement und ausgelassener Party-Attitüde in den Äther.


Gegen die Verhältnisse senden

Alte Freundeskreis-Fans dürfte besonders freuen, dass Herre wieder eine klare Kritik an den Verhältnissen übt. Im ersten Stück "Aufruhr (Freedom Time)" verarbeitet er die sozialen Unruhen von 2011. Den Kämpfern des Arabischen Frühlings, der Occupy-Bewegung, den Studenten in Madrid und Athen spricht Herre seine Unterstützung aus. Flankiert werden die Raps im Refrain von Deutschlands neuem Soultalent Fetsum und einer Einlage von Patrice. Beim dreckig angezerrten Song "Jeder Tag zuviel" spricht Herre soziale Missstände in Deutschland an: ungerechte Verteilung, McJobs, und das Unbehagen über die Ellbogenmentalität.


Aus der Seele singen

Die Songs des neuen Albums beschränken sich aber nicht auf breitbeinigen Protest. Max Herre ist seit zwanzig Jahren im Geschäft, und in seinem Leben ist viel passiert. Er trennte sich von seiner Frau Joy Denalane und kam wieder mit ihr zusammen. Er ist Vater von zwei Kindern. Diese Erfahrungen hört man besoners in den Soul-Anteilen auf dem Album. Zum Beispiel wenn er in "DuDuDu" mit Falsettgesang wie Curtis Mayfield brilliert und begleitet von butterweichen Moll-Akkorden über die Höhen und Tiefen der großen Liebe sinniert. Für die gefühlvolle Nummer "Vida", seiner Tochter gewidmet, hat Herre Soulsänger Aloe Blacc eingeladen. Hier treffen zwei einzigartige Charaktere aufeinander. Max Herre thematisiert Persönliches, ohne peinlich zu berühren - ein Alleinstellungsmerkmal in der deutschsprachigen Musik, das ihn seit bald zwanzig Jahren auszeichnet.


Historisch und aktuell

Mit "Hallo Welt" blickt Max Herre einmal mehr über den musikalischen und textlichen Tellerrand deutscher Popmusik. Und vergisst dabei nicht die nächste Generation: "Fühlt sich wie fliegen an" ist ein Liebeslied im Duett mit dem gut 20 Jahre jüngeren Cro. Auf "KAHEDI Dub" lässt er Marteria davon erzählen, dass Freundeskreis-Konzerte diesen zum Rappen überhaupt erst animiert haben. So stilisiert sich Herre selbst zu einer historischen Figur der Szene. Gleichzeitig stellt er seine eigenen Inspirationsquellen vor, wenn er etwa Billie Preston zitiert und selbst Lenny Kravitz neu interpretiert. Das ganze Album strotzt so vor Querverweisen und Zitaten, die im Gesamtbild vor allem eine eigene Künstlerpersona zeigen: Max Herre ist das Multitalent, der Rapper und Sänger, Produzent und Szenepate, kurz: der deutsche Ausnahmemusiker.
(Lukasz Tomaszewski)



Titel"Hallo Welt!"
VertriebNesola / Universal



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