Donnerstag, 23.05.2013
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Musik
Captain Planet
Charlie Bethel alias Captain Planet ist Produzent und DJ aus Brooklyn, mittlerweile aber in Los Angeles zu Hause. Mit seinem Debüt-Album "Cookin' Gumbo" (Bastard Jazz Recordings) beweist er komplexes Produktionsvermögen und vor allem einen breitgefächerten Geschmack.
Bei seiner diesjährigen Europa-Tour machte er auch einen Abstecher nach Köln. 5Planeten-Reporter Daniel Fernando Wahl hat sich mit Captain Planet getroffen und über seine Projekte gesprochen.
Begonnen hat Charlies musikalische Karriere mit zwölf Jahren am Schlagzeug einer Punk-Band. Während der High School probierte er sich am Klavier und am Bass, bevor die Anschaffung des ersten Plattenspielers alles veränderte. Charlie wurde zum Vinyl-Enthusiasten und legte sich bald mit Hilfe eines elektronischen Samplers ein umfangreiches Soundarchiv an. Mit 17 war es dann soweit: Die ersten Beats wurden produziert. Seitdem sind einige Jahre vergangen und aus dem kleinen Charlie ist ein großartiger Produzent geworden.
Captain Planet: "Im Jahr 2005 habe ich in New York mit ein paar Freunden die Partyreihe 'Mixtape Riot' gestartet. Wir hatten vier Plattenspieler, machten Live-Remixe und bekamen ständig Besuch von verschiedenen MC's und Sängern. Es war wie auf einem Live-Mixtape. Fast drei Jahre haben wir das erfolgreich durchgezogen, bekannte Künstler aus dem HipHop oder der elektronischen Musikszene wie z.B Santigold, Spank Rock oder Bahamadia hatten dort ihre Gastauftritte."
Eigentlich steht der Begriff "Gumbo" für eine kreolische Suppenspezialität. Sprich: viele Zutaten internationalen Ursprungs, die im richtigen Verhältnis zu einem einzigartigen Geschmackserlebnis werden. Ganz ähnlich verhält sich das bei Captain Planets Debüt-Album "Cookin' Gumbo". Wie vielen seiner New Yorker Kollegen geht es auch Captain Planet darum, eine alternative Klangwelt zu schaffen, fernab von Top 40 und Mainstream. Wenn er seinen Gumbo Funk zusammenbraut, zollt er den verschiedensten Musikkulturen dieser Welt seinen Respekt. Auf der Suche nach Inspiration und neuer Musik findet er seine Sound-Gewürze häufig auf alten staubigen Platten aus fernen Ländern und Kontinenten: Brasilien, Indien, Lateinamerika, Afrika und Asien.
Captain Planet: "Ich mache Gumbo Funk nicht nur weil mir Musik aus anderen Teilen der Welt gefällt, es geht darum die Dinge zu verbinden. Auf einmal hört man Elemente in einem westafrikanischen Song, die man eher mit Kolumbien in Verbindung bringt...aber eigentlich klingt der Rhythmus auch jamaikanisch. Es geht natürlich auch um den Spaß beim Produzieren, also Elemente nebeneinander zu stellen, die eigentlich nicht verwandt sind aber dennoch gut harmonieren. Zum Beispiel die Bläser eines Bollywood-Songs mit einem Dancehall-Beat. Macht zwar keinen Sinn, klingt aber gut. Man kann also eine eigene Klang-Welt innerhalb der Lieder entwerfen."
Zwar lieferte Charlie in der Vergangenheit ebenfalls eine Menge Remixe unter seinem DJ-Pseudonym Chuck Wild ab. Jedoch bleiben die wahren Remix-Schätze Captain Planet's Werke. So auch im Falle des Katy B Popstep-Superhits "Katy On A Mission", aus dem er eine sommerliche Reggae-Version zauberte. Mit viel Respekt und Fingerspitzengefühl behandelt er das organische Material von Künstlern wie z.B. Vieux Farka Touré aus Mali. Captain Planet ist aber ebenso in der Lage, eine mexikanische Tribal-Nummer aus einem chilenischen HipHop Lied zu basteln.
Captain Planet: "Ich bin sehr froh über meinen erst kürzlich erschienenen Remix von Ana Tijoux's Lied namens 'Shock'. Ein Freund von mir arbeitet für das Label Nacional Records. Ich habe ihn gefragt, ob ich nicht etwas für einen der Künstler machen könnte, und dann gab er mir das Acapella von Ana Tijoux. Es ist eine Art weicher Tribal geworden, der organisch klingt und natürlich meine persönliche Note hat. Ich bin sehr glücklich, dass dies alles zustande gekommen ist und hoffe natürlich auf eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit mit Ana Tijoux und anderen Künstlern von Nacional Records. Ich mag dieses Label!"
Kaum zurück in den USA, schraubt Captain Planet bereits an seinem zweiten Album. Für "Cookin' Gumbo" produzierte er vorwiegend mit ausgesuchten Musik-Samples. Jetzt sollen die Kollaborationen mit seinen persönlichen Lieblings-Künstlern im Vordergrund stehen. Ganz weit oben auf seiner Wunschliste stehen Sänger wie der Mestizo-Papst Manu Chao, und die angesagten Latino Rapper von Los Rakas. Aber auch mit Produzenten wie Uproot Andy und mit Vertretern der Tribal-Szene will Captain Planet zusammenarbeiten. Ganz besonders freut er sich auf die AfroRock-Legende Thomas Mapfumo, "The Lion of Zimbabwe". Dieser lebt momentan im amerikanischen Exil.
Captain Planet: "Über Thomas Mapfumo bin ich überhaupt erst auf den Geschmack afrikanischer Musik gekommen. Eines Tages fuhr ich mit einem Freund im Auto quer durch die USA, wir hatten nur eine Hand voll Kassetten dabei. Das Band von Thomas Mapfumo hörten wir hoch und runter, und ich war total begeistert. Er ist der erste afrikanische Künstler den ich bewusst gehört habe. Nach all den Jahren habe ich ihn dann angeschrieben, und ihm über meine Pläne erzählt, gemeinsam mit ihm etwas zu produzieren. Und siehe da, wir haben es getan!"
Lange hat es gedauert bis DJs, die sich globale Sounds auf die Fahne schreiben, tatsächlich von anderen Szenen akzeptiert wurden. Captain Planet hat es mit seiner Musik geschafft: 'Gumbo Funk' ist HipHop, Funk, Afrobeat, Latin, aufgepeppt mit einem Extra-Schuss Perkussion und Melodie. Die Club-orientierten Remixe von Captain Planet zeigen aber auch seine Liebe zu neueren elektronischen Genres, denen er organisches Leben einhaucht.
Captain Planet: "Mittlerweile ist tatsächlich eine richtige Szene um Global Bass und Tropical Bass entstanden. Das fühlt sich sehr gut an, weil als ich angefangen habe eine Art globalen Mash-Up zu spielen, konnten die Leute noch nicht damit umgehen. Heute ist das nicht mehr so fremd. Kollektive wie die Dutty Artz Crew oder DJs wie Chief Boima und Uproot Andy ... ihr kennt die beiden schon. In Los Angeles passiert momentan Ähnliches, und DJ Sabo aus New York lebt mittlerweile auch in L.A. und macht dort Partys."
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