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Sie befinden sich hier: > WDR.de > Funkhaus Europa >Musik >"HipHop als universelle Sprache"


The Story behind

"HipHop als universelle Sprache"

"Esperanto" von Freundeskreis

Sendung vom 26. Juli 2012

Wir schreiben das Jahr 1999: HipHop-Deutschland spricht die Plansprache Esperanto. Das gleichnamige Album der Band Freundeskreis wird zu einer der erfolgreichsten deutschen HipHop-Scheiben. Der titelgebende Song "Esperanto" war das sozialkritische Lied seiner Zeit, eine Ode an HipHop - und ein Ohrwurm. Max Herre, Rapper und Sänger von Freundeskreis, schwelgt in unserer Story Behind in Erinnerungen.

Gruppenfoto von Freundeskreis; Matt Henek


Max, was hat es mit dem Songtitel auf sich?

Max Herre: Wir haben uns gesehen als Teil einer internationalistischen Bewegung, die HipHop hieß. Und irgendwann kam dieser Begriff "Esperanto" um die Ecke und hat für mich eigentlich all das beschrieben, was HipHop auch war: Also die Idee eine Sprache zu entwickeln, die universell ist. Musik ist immer erstmal eine universelle Sprache. Und so wie sich Esperanto aus verschiedensten Sprachen, Kulturen, Einflüssen speiste, so haben wir uns auch gespeist. HipHop war die Grundlange, und natürlich hat da jeder seine Biographie mitgebracht. Auch seine eigene Kultur.


Freundeskreis war ja auch ein ziemlich bunter Haufen. Wo kamen denn die einzelnen Musiker her?

Sekou kam aus Boston, Philipp war halb Franzose, Franko Russ - der Gitarre gespielt hat - Slowake, der in Äthiopien aufgewachsen war. Donato war halb Deutscher, halb Engländer mit karibischen Wurzeln. Also: Das war bunt.


Aber der Song Esperanto war für euch doch mehr als nur eine Nabelschau der eigenen Multikulturalität. Der Text transportiert ja auch einen Visionärsgeist.

Freundeskreis Esperanto Logo; Rechte: Freundeskreis Bild vergrößern

Freundeskreis Esperanto Logo

HipHop war eben unsere gemeinsame Basis und das was uns zusammengeschweißt hat. Und für Freundeskreis war es eben so: Wir haben es verbalisiert und thematisiert und besagt: Ja, das ist ein Entwurf, den wir schon so leben und den wir so sehen für alle Menschen, für Deutschland. Ein Entwurf, den wir als eine Selbstverständlichkeit begreifen, und wollen, dass ihn andere auch als eine Selbstverständlichkeit begreifen.


Esperanto war euer zweites und letztes Studioalbum. Du hast dich ab 2000 auf deine Solo-Karriere konzentriert und Freundeskreis hat sich 2007 offiziell aufgelöst. Würdest du heute sagen, dass ihr für einen politischen HipHop standet?

Wir haben uns nicht empfunden als eine politische Band. Wir haben uns als HipHop-Band gesehen und vor allem in der musikalischen Tradition von Black Music. Und da gab es neben den Großen im HipHop wie A Tribe Called Quest, Public Enemy eine musikalische Tradition, die zurückging auf Bob Marley, Curtis Mayfield und so weiter. Und das sind Leute, die immer auch sozialkritische Musik gemacht haben. Ich komme aus einem linken Elternhaus und ich war auch engagiert. Ganz aktuell waren damals natürlich der Jugoslawienkrieg und der Golfkrieg. Im Umfeld der Wiedervereinigung: Was in Solingen passiert ist damals, was in Mölln passiert ist, Rostock Lichtenhagen. Also, es war eine sehr politische Zeit, in der es auch wichtig war, Stellung zu beziehen.
(Lukasz Tomaszewski)





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