Montag, 20.05.2013
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Funkhaus Europa
Musik
"One"
Sendung vom 05. März 2013
U2 klingt gestrig und Bono kann nerven. Aber ihre Ballade "One" hat bis heute nichts von ihrer universellen Strahlkraft eingebüßt. Das belegen zig Coverversionen - von Latin und Afrofunk über Klassik und Jazz bis Johnny Cash.
Die Rockballade hat alle Zutaten für einen Welthit: Die akustische Gitarre gibt den Takt an, eine melancholische Akkordfolge. Dazu epische Synthesizer-Flächen und eine E-Gitarre heult auf. Der Song handelt von dem Auf und Ab in zwischenmenschlichen Beziehungen "Wir sind eins, aber wir sind nicht gleich!", singt Bono. U2 steckten 1992 in einer Krise, und davon handelt "One" auch. Die ersten Aufnahmen fanden in Berlin statt, produziert von Brian Eno und unter dem Eindruck des wiedervereinigten Deutschlands. Die Melodie und die Struktur des Songs entstanden laut Gitarrist The Edge in 15 Minuten.
Die argentinische Band "Banda Criolla" mischt Elemente aus lateinamerikanischer Folklore mit Rock. Sie übersetzten "One" ins Spanische, ihre persönliche Hommage an U2. Die brasilianische Sängerin und Gitarristin Badi Assad sang "One" begleitet von Jazz-Perkussionist Naná Vasconcelos (Nana Vaskonselos) und Bassisten Rodolfo Stroeter. Gemeinsam verliehen sie der Ballade mit schrägen Harmonien einen bizarren, leicht düsteren Charme. Ähnlich extravagant klingt die Version des nigerianischen Sängers und Gitarristen Keziah Jones. Er gibt dem Song seine ganz eigene Note: kantig, minimalistisch, treibend und funky.
Im Laufe der Zeit versuchten sich viele an der Ballade - auch außerhalb der Popmusik. Deborah Dixon & The Five Movement interpretierten den Song mit Jazz, The Persuasions aus New York sangen eine A-Capella Version und sogar das Londoner Royal Philharmonic Orchestra spielte "One". U2 nahmen ihren Song für das 2005er Album "The Breakthrough" nochmal in einer Duett-Version mit Mary J. Blidge auf. Gemeinsam performten sie den Song auf dem Benefizkonzert "Shelter from the Storm" zugunsten der Opfer von Hurrikan Katrina. Country Legende Johnny Cash sang "One" 2000, drei Jahre vor seinem Tod. Sein typischer melodischer Sprechgesang verlieh dem Song noch mehr Tiefe und Nachdruck. Für viele Kritiker ist Cashs Version besser als das Original.
"One" der Rockballade stehen Pop- und Country-Einflüsse genauso gut wie Afrofunk und Latin. Und trotz des inflationären Einsatzes in Talentwettbewerben hat der Song nichts von seiner universellen Strahlkraft eingebüßt. Und auch wer U2 nicht mag, wird sicherlich Gefallen an der ein oder anderen Version finden.
(Anne Lorenz)
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