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Süpertunes

Antibalas Afrobeat Orchestra & Curumin

Remember Fela & Hallo, São Paulo!

Sendung vom 10. August 2012

Richtig bekannt wurde das New Yorker "Antibalas Afrobeat Orchestra" mit dem Broadway-Musical "Fela!", welches das Leben des Afrobeat-Pioniers Fela Kuti dokumentiert. Auf ihrem neuen Album gibt es auch 15 Jahre nach Felas Tod Afrobeat pur. Die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien liegen zwar noch in weiter Ferne, aber so könnte ihr Soundtrack aussehen: Ein Trip durch den Großstadtdschungel von São Paulo, mit "Curumin" alias Luis Nakata Albuquerque als Reiseführer.

Antibalas Afrobeat Orchestra: "Antibalas" (Daptone/Groove Attack)

Antibalas Afrobeat Orchestra; Daptone Bild vergrößern

Antibalas Afrobeat Orchestra: "Antibalas"

Das Antibalas Afrobeat Orchestra ist vor 14 Jahren von Martin Perna und Freunden gegründet worden, nur wenige Monate nach dem Tod ihres großen Idols Fela Kuti. Und an diesem Datum merkt man: Antibalas sind stolz darauf, von New York aus mit ihren Konzerten und Platten diesem klassischen Afrobeat-Sound Fela Kutis wieder weltweit auf die Sprünge geholfen zu haben. Zum anderen sind Felas klassische Themen wie der Kampf gegen die Korruption und Geldwäscherei ja weltweit aktueller denn je. Davon zeugt der Titel "Dirty Money", den Antibalas auch als Single ausgekoppelt haben. Da steckt alles drin, was diese Band ausmacht.

Afrobeat in seiner reinen Form, mit den charakteristischen Bläsersätzen und Saxofon-Einlagen. Und immer dieser schleppende Off-Beat-Rhythmus. Die Stücke von Antibalas sind auch deshalb länger als die von anderen Bands, weil es jeweils Soli vom Tenorsaxophonisten Stuart Bogie gibt, aber auch vom funky Gitarristen Luke O'Malley. Und natürlich bekommt auch die restliche Bläsersektion genügend Raum. Ansonsten ist der langjährige Antibalas-Sänger Amayo wieder in Bestform. Diese Jungs lieben ihn einfach, den Afrobeat.

1997 gründete sich das zwölfköpfige Ensemble in einem Lagerhaus in Brooklyn. Damals waren in der Musiker-WG des Antibalas-Gründers Martin Perna auch die Dap-Kings schon am Start, die spätere Backing-Band von Amy Winehouse und mittlerweile von Sharon Jones. Und da schließt sich jetzt mit dem neuen Album endlich auch wieder ein Kreis: "Antibalas", das neue Album erscheint auf Daptone-Records, der New Yorker Plattenfirma aus dem Umfeld der Band Dap Kings. Die einzelnen Musiker von Antibalas waren immer auch schon auf den Alben von Sharon Jones und den anderen Projekten der Plattenfirma zu hören. Es ist also eine große kreative Musiker-Clique in Manhattan, zu der übrigens auch die Band "TV On The Radio" gehört. Aber anders als diese Formation, ist das Antibalas Afrobeat Orchestra immer darin interessiert gewesen, sehr traditionsbewusst zu agieren, man wollte gar nicht supermodern klingen, sondern dem musikalischen Held Fela Kuti aus Nigeria eine Hommage erweisen.


Curumin: "Arrocha" (Six Degrees/Exil/Indigo)

Curumin - Arrocha; Six Degrees Bild vergrößern

Curumin: "Arrocha"

Curumin liefert uns vor Brasiliens beiden kommenden sportlichen Großereignissen Olympia und Fußball-WM schon mal einen sehr schönen Rundumschlag, was die brasilianische Musik im 21. Jahrhundert leistet. Immer aus der Sicht einer Megametropole wie São Paulo. So klingt der moderne brasilianische Pop von dort. Der Mastermind weiß aber auch, daß Brasiliens Städte oft vor lauter Hektik ungenießbar sind. Und genau deshalb strebt er auf dem Album eine relaxte Grundstimmung an.

Jetzt kommen von Curumin 13 neue, wunderbare Tunes, von denen fast die Hälte nur so um die zwei Minuten lang sind. Und man ist beim Anhören total verblüfft über die Stilvielfalt: Da gibt's mal HipHop-Beats, mal eine Prise Dubstep, aber auch sehr viel gekonntes Songwriting mit souliger Stimme und zuweilen auch Sprechgesang. Auf einigen Tracks hört sich Curumin an, als hätte er die 70er Jahre selbst bewusst miterlebt. Aber er ist erst 1976 geboren, hat aber die alten brasilianischen Klassiker wie die Platten von Milton Nascimento bestimmt im Schrank seiner Eltern entdeckt.

Hinter dem Künstlernamen "Curumin" steckt ein Mann, den die Presse schon bei seinem vorigen Album als den "vielleicht visionärsten Samba-Künstler" gelobt hatte: Er heißt Luciano Nakata Albuquerque und hat sowohl spanische als auch japanische Wurzeln. Fans der Brasilianerin Céu kennen Curumin als deren Live-Schlagzeuger. Im Alter von acht Jahren gründete er seine erste Band. Später tauchte er dann ins Nachtleben von São Paulo ein und verfolgte nebenbei ein Psychologiestudium. Eigentlich strebt er sogar noch eine Karriere als Profifußballer an. Vielleicht wird er ja als Musiker für die Eröffnungsfeier der nächsten Olympischen Sommerspiele in Rio engagiert. Freuen wir uns am neuen Album und wünschen uns, daß Curumin schon im kommenden Jahr auf Festivals bei uns um die Ecke gebucht wird. Auf dem weltweiten Festivals hat er schon mit Größen wie Femi Kuti, Jorge Ben, Money Mark und Blackalicious zusammen gespielt.
(Stefan Müller)





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