Sonntag, 26.05.2013
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Funkhaus Europa
Musik
Mala und Noëmi Waysfeld & Blik
Sendung vom 14. September 2012
Dubstep-Pionier Mala aus Süd-London begibt sich mit seinem Album "Mala in Cuba" auf eine musikalische Entdeckungsreise nach Havana und Noëmi Waysfeld folgt mit dem Blik-Quartett ihren jiddischen Wurzeln und erkundet die Klangwelten Osteuropas.
Mala gilt als Begründer der Dubstep Szene. Er füllt mit seinen basslastigen Sets Clubs rund um den Globus und betreibt mit Kollege Coki seit 2004 sein eigenes Label. Als Produzent ist er so anerkannt, dass ihn die Red Bull Music Academy regelmäßig als Dozent einlädt. Musikalisch zu Hause ist er neben Dubstep noch bei Reggae und Drum 'n' Bass.
Mit dem Album "Mala in Cuba" begibt er sich auf komplett neue Pfade. Im Rahmen des Projekts Havana Cultura ließ sich Mala im Januar 2011 von Gilles Peterson in die musikalische Welt der Hauptstadt Kubas entführen. Das interessante daran: Mala hatte vorher keinerlei Zugang zu Latin- oder Afro-Musik. Er sog die Melodien, Rhythmen und Stimmungen einfach in sich auf und fertigte zurück in seinem Studio in London daraus seine ganz eigenen Interpretationen. Das Resultat: 14 atmosphärische Tracks, weitestgehend instrumental. Der Bass spielt nach wie vor eine große Rolle, wird aber durch vielschichtige, organische Rhythmen ergänzt. Manchmal klingen ganz klare Dub-Einflüsse durch, wie zum Beispiel bei dem Song "Noches Suenos", eine Zusammenarbeit mit der Sängerin Danay Suarez.
Mit dem Album hat sich Mala aus seiner komfortablen Position als Pionier einer Szene herausgewagt, seinen Horizont erweitert und dabei eine wunderbare Fusion aus organischen Instrumenten und elektronischen, sphärischen Klängen erschaffen.
Noëmi Waysfeld lebt zwar in Paris, musikalisch widmet sie sich auf "Kalyma" aber nicht dem französischen Chanson, sondern viel mehr ihren jüdischen Wurzeln und dem Liedgut der russischen Gulag-Gefangenen. Ihr musikalischer Zugang ist ein ganz persönlicher: Ihre Eltern sind russischer, baltischer und polnischer Herkunft und sie hat Jiddisch an der Universität studiert. Außerdem war ihre Kindheit von einer ganz speziellen Platte geprägt: "Songs Of The Siberian Prisoners of Today" von Dina Vierny.
Auf "Kalyma" realisiert sie nun mit dem Quartett Blik ihre ganz eigene Interpretation ihrer Lieblingslieder und haucht so den alten Volksweisen neues Leben ein. Schmerz, Verzweiflung und Bitterkeit spielen eine genau so große Rolle auf dem Album wie Hoffnung, Überschwänglichkeit und Ekstase. Mit ihrer wunderschön samtenen Alt-Stimme transportiert Noëmi all diese Gemütszustände und wird in perfekter Weise ergänzt von Blik. Die Musiker auf dem Album sind alle vom Fach und haben ihr Instrument studiert. Manche von ihnen spielen sogar mehrere. Da wäre zum einen das Akkordeon, das für Klezmer essenziell ist, unterstützt vom Bass, der Gitarre und wahlweise auch der Bouzouki und der Laute. Keine Frage, dass diese Combo auch live überzeugt! Noëmi Waysfeld kommt dabei ihre jahrelange Theatererfahrung zu Gute.
14 Songs voller Gefühl und Emotionen, und ein schönes Detail am Rande: Der Look des Albums gleicht einem Buch mit Hardcover. In dem dicken Booklet sind viele Bilder und alle Songtexte sind ins Französische und ins Englische übersetzt.
(Anne Lorenz)
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