Donnerstag, 23.05.2013
Sie befinden sich hier:
WDR.de
Funkhaus Europa
Musik
Skip&Die & Goran Bregović
Sendung vom 05. Oktober 2012
Skip&Die aus Holland und Südafrika vertreiben uns den Herbstblues mit ihrer geballten Ladung an tropischen Bässen und Beats. Und die Mission von Goran Bregović and His Wedding and Funeral Band ist nach wie vor aktuell: der Kultur der Sinti und Roma endlich den Stellenwert zu geben, den sie wirklich verdient.
Der Titel "Love Jihad" war die erste Single-Auskopplung aus dem Album "Riots in the jungle". Ihre Referenzen waren hier schon klar rauszuhören: M.I.A. und Die Antwoord aus Südafrika. Wer an dieser Stelle dachte, Skip&Die würden nur von ihren Vorbildern abkupfern, den muss man jetzt allerdings eines Besseren belehren. Spätestens seit ihren fulminanten Auftritten beim Reeperbahnfestival in Hamburg Ende September haben sich Skip&Die neue Fans erobert. Weil sie das Publikum von Anfang an mitgerissen haben.
Das lag vor allem an der hyperaktiven Sängerin Cata Pirata alias Catarina Aimée Dahms. Sie stammt aus Südafrika, hat aber schon zahlreiche Länder der Welt bereist und dabei auch spanisch und portugiesisch gelernt. Man bekommt dadurch den Eindruck, Skip&Die wären auf Weltreise gewesen und würden ihre gesammelten Eindrücke jetzt auf dieser CD verarbeiten. Cata Pirata und Produzent Jori waren zuletzt quer durch Südafrika unterwegs, durch die großen Städte wie Johannesburg und Kapstadt, aber auch durch die Townships wie Sowetho. Dort haben sie überall lokale Musiker aufgespürt, Rapper und sogar Rockmusiker vom Projekt "BLK JKS". Catarina und Jori betonen, ihr Trip wäre eine absolut "magische" Erfahrung gewesen. Man kann den Spass, den sie hatten, ganz gut nachvollziehen. Auf einem Stück haben sie die Stimmung auch direkt aufgezeichnet - da hört man dann fröhliche Kinderstimmen. Und: Sie haben in Südafrika zum Beispiel auch die "Season Marimba Stars" kennengelernt und mit ihnen einige Tracks aufgenommen.
Man hört in der Musik aber auch ganz aktuelle Wobble-Bässe aus dem Dubstep, flirrende Sitar-Klänge aus Indien, sowie treibende Perkussion. In vielen Tracks kommen auch die HipHop-Einflüsse des Produzenten Jori Collignon zum Vorschein, der schon mit der holländischen Band "C-Mon & Kypski" getourt war. Sängerin Catarina überrascht hier und da mit spanischem Sprechgesang. Sie selbst hat einige Jahre in Argentinien gelebt, aber auch in Ibiza und Holland. Und von Amsterdam aus, wo sich Catarina und Jori auch kennengelernt haben, verbreitet sich der Hype jetzt um die Welt. Immer auch mit einer konsumkritischen Botschaft, was die Liedtexte betrifft.
Skip&Die live:
13.12.2012 Berghain/Kantine, Berlin
16.12.2012 Club Bahnhof Ehrenfeld, Köln.
Weltweit bekannt und gefeiert wurde Goran Bregović in den späten 80ern mit seinen Soundtracks zu Emir Kusturicas Erfolgsfilmen wie "Time of the Gypsies", "Arizona Dream" und "Underground". Der Sohn einer serbischen Mutter und eines kroatischen Vaters gründete als Teenager die Band "The White Button" und tourte 15 Jahre durch den Balkan, um sich schließlich nur noch dem Komponieren zu widmen. Seine Auswahl von Gästen zeigt ganz praktisch auf, dass das musikalische Erbe der Roma in der Musikszene Europas seinen festen Platz hat. Bregović möchte die Roma-Kultur feiern, die ja von offizieller Seite - siehe Ungarn und andere Länder - oft in Misskredit gebracht wird. "Roma sind in dieser Welt kein Problem, sondern waren schon immer eines ihrer Talente" sagt Bregović. Ausgehend von den massiven Repressionen, denen die Roma in den letzten Jahren in Europa ausgesetzt waren, erheben Bregović und seine Gäste gemeinsam ihre Stimmen.
Vier verschiedene Vokalistinnen und Vokalisten sind auf dem Album vertreten, zum einem Eugene Hütz, der Frontmann von "Gogol Bordello", den wilden Balkan-Punks aus Williamsburg. Außerdem Roma-Sänger Florin Salam und die irische Newcomerin Selina O´Leary. Wir hören aber auch auf zwei Stücken den Schweizer Stephan Eicher, mittlerweile rockiger Chansonnier, früher erfolgreich mit seiner Band Grauzone und dem NDW-Hit "Eisbär". Wer sich jetzt dennoch fragt: Was hat der Mann denn auf einem Album zu suchen, das "Champagne for Gypsies" heißt, dem erzählt Stephan Eicher gern, dass seine Großeltern selbst Angehörige der reisenden Völker waren - die in der Schweiz auch "Jenische" genannt werden. Aus Spanien und Frankreich sind die "Gipsy Kings" mit dabei, mit ihnen hat Goran Bregović ja schon öfter zusammengearbeitet. Zusammen läuft diese Kombination dann zur Hochform auf - es gibt einen gemeinsamen Song, der sich an alle Präsidenten der Welt richtet: "Presidente", sozusagen der Song zur Finanzkrise aus spanischer Sicht.
Es gibt wieder großes Kino bei Bregović. Alles ist - wie gewohnt - sehr gut produziert und wird an keine Stelle öde oder langweilig. Der Titel "Champagne for Gypsies" spielt auf Bregovićs Hang zu alkoholischen Getränken an, den er auch schon auf seinen bisherigen Alben vertonte. Bregović sagt selbst: Einerseits sei dieses Album sozusagen die Fortführung des Werks "Alkohol" von vor drei Jahren. Aber er will die Roma-Kultur in Cinemascope zeigen. Deshalb gibt es diesmal keinen billigen Slivowic, sondern gleich Champagner...
Goran Bregović und sein Orchester live:
09.10.2012 Live Music Hall, Köln
10.10.2012 Huxleys, Berlin (Stefan Müller)
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.