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Bestsellercheck Mai 2012

Rita Falk, Paulo Coelho, Nicolas Barreau

Sendung vom 09. Mai 2012

So unterschiedlich können Bestseller sein: Rita Falk erzählt mit "Hannes" eine Jungsgeschichte in Bayern, Paulo Coelho schwelgt mit "Aleph" in den Untiefen der Mystik und Nicolas Barreau platziert eine Liebesgeschichte unterm Eifelturm.

Rita Falk: Hannes

Cover des Buches: Die grünen Blätter eines Baumes vor weißem Hintergrund; DTV premium Bild vergrößern

Rita Falk: Hannes

Mit ihren Provinzkrimis um den bayerischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer ist Rita Falk ein Dauergast in den Verkaufscharts. Ein umstrittenes Erfolgsprojekt, das Leser und Kritiker spaltet: Die einen amüsieren sich prächtig, die anderen sind von zu dick aufgetragenen Klischees und Kalauern genervt.
Mit "Hannes", ihrem neuen Roman, beweist die Münchnerin nun, dass sie auch anders kann, also genauer gesagt: ohne Polizei, ohne Ermittler, ohne Krimis, Klischees und Kalauer. Stattdessen erzählt sie ihre Geschichte um zwei Zwanzigjährige als Briefroman.

Uli, Anfang 20 und Zivildienstleistender, schreibt an seinen Kumpel Hannes, der seit einem Mopedunfall im Koma liegt. Er berichtet, wie es zu dem Unfall kam, wie die beiden zueinander standen, wie es ihm jetzt ohne den Kumpel geht, wie die Angehörigen mit allem klarkommen. Und natürlich, wie er, Uli, ohne Hannes weiterlebt und dabei jede Menge Abenteuer erlebt. Mal ganz abgesehen davon, dass Hannes auch komatös im Leben der anderen mitmischt, denn er hat kurz vor dem Unfall noch für frisches Leben, also für Komplikationen, gesorgt.
Natürlich schreibt Uli letzten Endes vor allem an sich selbst, er muss irgendwie damit klarkommen, dass er fortan allein, auf sich gestellt, ohne den Freund durchs Leben zu gehen hat. Was er - Schritt für Schritt - auch lernt, zum Beispiel bei den Alten, die er als Zivi pflegt.

Und so entsteht eine kleine, zarte, melancholische, mitunter auch komische (Jungs-)Geschichte über das Erwachsenwerden, das Abschiednehmen und das Sterben.

Rita Falk: Hannes
DTV premium, 2011; ISBN 978 3 423 280 013; 17,90 Euro


Paulo Coelho: Aleph

Cover des Buches: Schlafender Junge mit abgeknicktem Kopf in einem Bahnabteil; Diogenes Bild vergrößern

Paulo Coelho: Aleph

Vorsicht bei Experimenten mit Ringen aus weißem Licht. Das kann gefährlich werden. Behauptet zumindest Paulo Coelho ganz am Schluss seines neuen Romans "Aleph": "Wie ich bereits erwähnte, kann eine Rückkehr in die Vergangenheit ohne Kenntnis des Verfahrens dramatische und unheilvolle Konsequenzen haben."
Na dann, bleiben wir lieber zu Hause im Hier und Jetzt. Eine der Möglichkeiten, ohne dramatische und unheilvolle Konsequenzen durchs Leben zu kommen, wäre da zum Beispiel die Lektüre ebenjener Geschichte von Paulo Coelho, mit der der Brasilianer gerade zum wiederholten Mal die Geldbeutel sinnsuchender Esoterikfreunde leert.

In "Aleph" geht's um Paulo Coelho selbst: Der Autor verspürt eine Unruhe in seinem Leben, er muss irgendeine ihm selbst anfangs noch ungekannte Aufgabe erledigen, die sein spiritueller Meister ihm stellt. Also macht er sich auf die Reise - auf eine Lesereise, genauer gesagt. Schließlich gibt's Erkenntnis vor allem da, wo auch Bewegung ist.
Auf Tour durch Russland, in der Transsibirischen Eisenbahn, mittlerweile in Begleitung einer so hübschen wie jungen und türkischstämmigen Geigerin, erkennt der Autor dann, worum es geht: Er muss einer Schuld nachspüren, die er vor Jahrhunderten, in einem anderen Leben, auf sich geladen hat. Genauer gesagt geht es ums Mittelalter, um die Inquisition, die Zeit der Hexenverbrennungen. Und klar: Hilal, die knackige Geigern, sie war damals auch schon mit von der Partie.

Mittelalter, Zeitreise, Sinnsuche, Seelenwanderung, Kuschelsex ... wirklich bemerkenswert, wie dreist Paulo Coelho in "Aleph" eine Geschichte aus Klischees zusammenkleistert, die so durchsichtig doppelt und dreifach dagegen abgesichert ist, dass sie sich nicht millionenfach verkauft. Und die doch, verpackt mit diesem scheinheiligen Ton des Mysthikkitsches, als wahrhaftige Sinnsuche daherkommt - so dass man fast vergessen könnte, dass es hier letztlich nur um Umsatz, Umsatz, Umsatz geht. Kapitalistisch gesehen brillant, literarisch ein Grauen.

Paulo Coelho: Aleph
Diogenes, 2012; ISBN 978 3 257 068 108; 19,90 Euro


Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen

Cover des Buches: Eine Frau mit roter Jacke geht mit ausgestreckten Armen durch einen Park; im Hintergrund der Eifelturm; Piper Bild vergrößern

Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen

Aurélie im Pech: Bühnenbildner Claude, gerade noch ihr Liebhaber, hat die hübsche Restaurantbesitzerin verlassen. Heulend irrt die Pariserin durch die Stadt, bis sie irgendwie in eine kleine Buchhandlung stolpert, wo man ihr den Roman "Das Lächeln der Frauen" empfiehlt.
Lesen gegen Liebeskummer - bei Aurélie funktionierts, und dann macht sie bei der Lektüre auch noch eine überraschende Entdeckung: Robert Miller, der englische Autor der Geschichte, hat sich in derselben ganz offensichtlich von ihr und ihrem Restaurant inspirieren lassen.
Klar, das Aurélie diesen Mann kennen lernen muss. Allerdings gibt es da ein klitzekleines Problem: Robert Miller, der als öffentlichkeitsscheu gilt, existiert in Wirklich überhaupt nicht. Und deshalb muss an seiner Stelle letztlich ein anderer ihr Herz erobern.

Fronkreisch in Deutschland ganz oben - "Das Lächeln der Frauen" führt bei starker Konkurrenz im Moment die Taschenbuchbestsellerliste an. Es ist schon ganz schön frech, mit welch banaler Geschichte Autor Nicolas Barreau seine Heldin und seine Leser an der Nase herumführt - aber auch ziemlich charmant, wie er es schafft, ein "Paris ist die Stadt der Liebe"-Klischee ans andere zu reihen, ohne damit zu nerven. Die Kunst der leichten Kost - hier wird sie auf die Spitze getrieben.

Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen
Piper, 2011; ISBN 978 3 492 272 858; 9,99 Euro

(Ulrich Noller)



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