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Bestsellercheck Juli 2012

Jean-Luc Bannalec, Stefan aus dem Siepen

Sendung vom 11. Juli 2012

Ein "französischer" Kriminalroman deutscher Machart und eine Fabel mit Erklärungsspielraum. In unserem Bestsellercheck beurteilt Literaturexperte Ulrich Noller "Bretonische Verhältnisse" von Jean-Luc Bannalec und "Das Seil" von Stefan aus dem Siepen.

Da hat wohl einer einen Nerv getroffen: "Bretonische Verhältnisse", der erste Kriminalroman von Jean-Luc Bannalec, konkurriert gerade ganz oben um die Spitzenposition in den Verkaufscharts. Unerwartet. Klar, man durfte diesem Roman einen Erfolg durchaus zutrauen. Aber einen solch großen? Sicher nicht.


Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse

Cover des Buches: Häuser an der bretonischen Küste; KiWi Bild vergrößern

Bretonische Verhältnisse

In Pont Aven an der bretonischen Atlantikküste wird ein greiser Hotelier ermordet, später kommt auch sein verschrobener Sohn zu Tode. Irgendwie hat das Verbrechen mit dem Maler Gauguin und einer hundert Jahre alten Künstlerkolonie zu tun, das wird bald klar. Kommissar Dupin, der aus Paris an dieses Ende der Welt versetzt wurde, tapst aber erst einmal lange genug im Dunkeln, um Autor Jean-Luc Bannalec erschöpfend über Land und Leute berichten lassen zu können...

"Bretonische Verhältnisse" ist ein Krimi gewordenes Werbemanifest für die Bretagne, entsprechend lahm kommt die eigentliche Handlung zwischen all dem - opulent beschriebenen - Landeskundlichen denn auch daher. Die Sprache bleibt betulich, die Charaktere können kaum je überraschen.
Im Grunde liest man hier einen deutschen Regiokrimi, den sein ortskundiger Verfasser nach Frankreich verpflanzt hat. Denn das französische Autorenpseudonym, so hört man, verbirgt einen deutschen Autoren. Nette Idee, aber Regiokrimi bleibt halt Regiokrimi. Richtig auf den Nerv kann einem der Erfolg von "Bretonische Verhältnisse" übrigens gehen, wenn man bedenkt, dass es jede Menge richtig gute, originelle Noirs aus Frankreich gibt, die auf dem vom Einheitseinerlei verstopften deutschen Buchmarkt keine Chance bekommen.


Stefan aus dem Siepen: Das Seil

Cover des Buches: Blick in einen Wald hochgewachsener Bäume; dtv Premium Bild vergrößern

Das Seil

Bernhardt staunt. Als er abends mit der Pfeife im Mund noch einen Rundgang durchs Dorf macht, liegt da plötzlich ein Seil. Ein festes, dickes, hochwertiges Seil, wie es keiner im Dorf besitzt. Und dieses Seil führt in den Wald hinein, weg von den zwei Dutzend Häusern.
So beginnt der neue Roman von Stefan aus dem Siepen, der gerade auf den Bestsellerlisten nach oben klettert. Natürlich will man wissen, was es mit so einem Seil auf sich hat, deshalb machen sich die Männer des Dorfes bis auf einen auf den Weg. Dumm nur, wenn so ein Seil kein Ende hat, so dass die Expedition weiter und weiter und weiter geht - und schließlich den Bestand der ganzen Siedlung in Frage stellt.

Stefan aus dem Siepen, geboren 1964, hat seine märchenhafte Geschichte in einem historischen, geschichtlich aber nicht exakt definierten Raum verortet, wodurch er einen Aspekt der Zeitlosigkeit erreicht, der diesem Gleichnis etwas Allgemeingültiges verleiht. Wofür das Seil dann letztlich steht - das kann sich jeder selbst erklären, da gibt es jede Menge Interpretationsspielraum. Prädikat: Nicht an allen Stellen ganz zu Ende erzählt, aber alles in allem lesenswert.

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse - Ein Fall für Kommissar Dupin
Kiepenheuer & Witsch, 2012; Euro 14,99

Stefan aus dem Siepen: Das Seil
Dtv Premium, 2012; Euro 14,90



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