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Buchtipps
 

Der Sturm

Per Johansson

Buchtipp vom 29. August 2012

Großkritiker schmäht Großkritiker - und das in einem Kriminalroman. "Der Sturm" von Per Johannson sorgt für Empörung und Belustigung: Thomas Steinfeld, der Feuilletonchef der Süddeutschen, rechnet da mit seinem früheren Chef Frank Schirrmacher ab, dem Herausgeber der FAZ.


Cover: Unscharfe Bäume eines Waldrandes; S. Fischer Bild vergrößern

Der Sturm

Posse, Sturm im Wasserglas oder gar ein handfester Skandal? Im deutschen Feuilleton wird derzeit so heftig über einen neuen, scheinbar aus dem Schwedischen übersetzten Kriminalroman diskutiert, dass dagegen selbst die erfolgreichsten nordischen Krimis in punkto Medienaufmerksamkeit einpacken können.

In dem Roman "Der Sturm" läßt Autor Per Johannson einen deutschen Journalisten sterben, und zwar ziemlich unappetitlich: Entstellt, zerfleischt und abgenagt findet sich dieser Christian Meier auf dem einsamen Bauernhof von Bertil Cederblad in Schonen, direkt neben dem Ausgang eines Dachsbaus. Guten Appetit!
Der Journalist, so findet Lokalreporter Ronny Gustavsson heraus war einer großen Geschichte auf der Spur, einer mit globaler Bedeutung, es ging dabei um die Finanzökonomie und um die Überwachung des Internet, also im Gegenzug: um die Freiheit des einzelnen. Wobei Meier, auch das ermittelt Ronny, zwar ein begabter Journalist, aber charakterlich fragwürdig war, zum Beispiel suchte er regelmäßig Kontakt zu minderjährigen Mädchen in Internetchatrooms.


Aufregung im deutschen Feuilleton

"Der Sturm" erzählt eine höchstens mittelmäßig interessante - und im übrigen unfassbar altbacken geschriebene - Geschichte, die deshalb solche Wellen schlägt, weil die Figur des Christian Meier deutlich Züge des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher trägt - und weil sich passend zur Veröffentlichung zeigte, dass hinter dem schwedischen Pseudonym Per Johannsson ein deutsches Autorenduo steckt: Der Münchener Mediziner Martin Winkler schrieb das Buch zusammen mit Thomas Steinfeld, dem Leiter des Feuilletons der Süddeutschen.

Steinfeld besitzt ein Ferienhaus in Schweden und er hat schon öfter über schwedische Kriminalliteratur publiziert, zum Beispiel in einem Buch über die Mankellschen Krimilandschaften in Schonen. Bis vor ein paar Jahren hat er, und das macht die Sache interessant, bei der FAZ gearbeitet, und zwar unter Schirrmacher. "Aufgedeckt" hat das alles übrigens Richard Kämmerlings von der Zeitung "Die Welt", der ebenfalls bei der FAZ angestellt war. Ein Schelm, wer vermutet, Kämmerlings könnte einen Tipp bekommen haben.
Thomas Steinfeld, so hört man häufig in der Diskussion der Angelegenheit, habe nicht Frank Schirrmacher, sondern sich selbst und seine Süddeutsche mit diesem Kriminalroman heftig blamiert. Die Frage ist: Warum ist Steinfeld dieses Wagnis eingegangen? Wollte er sich für erlittene Erniedrigungen rächen - oder wollte er ganz einfach nur einen Bestseller lancieren? So oder so ist das Ganze eine fast unglaubliche Posse.
(Ulrich Noller)



TitelDer Sturm
BuchautorPer Johansson
VerlagS. Fischer, 2012
ISBN978 3 100 170 262
Preis18,90 Euro

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