Freitag, 24.05.2013

Suche im gesamten WDR Web

  • Tipps zur vergrößerten Ansicht
  • Alle WDR E-Mail Adressen von A bis Z
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z
  • Inhaltsverzeichnis wdr.de
  • Hilfe
  • Audio


Hauptnavigation Funkhaus Europa


Partnersender


Banner Service


Sie befinden sich hier: > WDR.de > Funkhaus Europa >Service >Glückskind


Buchtipps
 

Glückskind

Steven Uhly

Buchtipp vom 19. September 2012

Was tun, wenn man die Mülltonne öffnet - und einem aus derselben ein frisch geborenes Baby entgegengrinst? Steven Uhly, Münchener Schriftsteller mit deutsch-bengalisch-spanischen Wurzeln, hat in seinem neuen Roman "Glückskind" aus einer möglichen Antwort eine fabelhafte Geschichte gezaubert.


Nichts zu essen im Haus, Chaos in allen Zimmern, die Müllsäcke stapeln sich, die Klamotten ewig nicht mehr gewechselt und im Kopf eine unendliche Verlorenheit - Hans D. hat sich längst von seinem Leben verabschiedet, als er eines Tages wider Willen doch nach draußen muss, um seinen Hartz-IV-Verlängerungsantrag auf den Weg zu bringen. Wenn schon, denn schon, denkt er sich, und nimmt wenigstens ein paar der Müllsäcke mit nach unten. Und als er dann die Tonne öffnet, liegt da besagtes Baby.


Penner mit Baby

Was tun also? Hans D. handelt instinktiv - und nimmt das kleine Wesen mit nach oben. Eine Entscheidung mit Folgen. Er kann ja nun schon bald gar nicht mehr anders, als ins Leben zurück zu finden, muss Nahrung, Windeln, Wäsche besorgen. Er hüte vorübergehend das Enkelkind, so seine Legende vor den Menschen aus der Nachbarschaft.


Story in der Presse

Die nimmt ihm allerdings schnell keiner mehr ab. Sowieso nicht, weil Hans D. nun mal ein unrasierter, ungewaschener Penner ist. Aber dann kommt die Geschichte auch noch dicke in allen Medien, denn die Mutter des Findelkindes bezichtigt sich öffentlich, ihre Tochter getötet und weggeworfen zu haben. Felicia heißt die Kleine, die Glückliche. Und glücklich ist sie nun wirklich, das kann man so sagen. Denn während die Polizei allerorten den Müll durchkämmt, kümmert sich bald ein ganzes Netzwerk aus Nachbarn und Bekannten zusammen mit "Großvater" Hans um Felicia, und zwar auf allerbeste Weise.


Sozialkitsch, könnte man befürchten. Ist aber keineswegs der Fall. Denn Steven Uhly erzählt ganz unbetroffen und unprätentiös, mit gutem Blick für Details, mit Humor und vor allem mit viel Hochachtung für seine Charaktere. Die, natürlich, allesamt irgendwie Gebrochene sind - und nun mit und um Hans D. und Felicia herum erblühen.


Großer Erzähler der kleinen Leute

Cover: Schattenrisse von zwei Kindern auf einem Kettenkarusell; Secession Bild vergrößern

Glückskind

Steven Uhly, geboren 1964 in Köln, deutsche Mutter, bengalischer Vater, spanischer Stiefvater, entpuppt sich mit seinem dritten Roman als großer Erzähler der kleinen Leute. Uhly schreibt sanft und sacht, bleibt dabei doch klar und genau, und er beweist, dass man mit etwas Mut und Witz vom Glück und von den Gefühlen anrührend berichten kann, ohne dabei kitschig zu sein. "Glückskind" ist nicht einfach nur ein Roman - sondern ein Glück von einer Geschichte.
(Ulrich Noller)



TitelGlückskind
BuchautorSteven Uhly
VerlagSecession Verlag für Literatur, 2012
ISBN978 3 905 951 165
Preis19,95 Euro

Mehr Buchtipps



Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.