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Der Gefangene des Himmels
Buchtipp vom 24. Oktober 2012
Carlos Ruiz Zafón stammt aus Barcelona lebt aber mittlerweile in Los Angeles. Seine Barcelona-Romane "Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels" machten ihn auf der ganzen Welt berühmt. Jetzt kommt seine neue Geschichte auf den Markt: "Der Gefangene des Himmels". Als Roman und als sehr zu empfehlendes Hörbuch.
Ein erfolgreicher Erzähler meldet sich zurück: der spanische Schriftsteller Carlos Ruiz Zafón. Manche nennen ihn auch den spanischen Edgar Allen Poe. Nebel und Mystik haben schon seine Barcelona-Romane "Der Schatten des Windes" und "Das Spiel des Engels" umweht. Und auch der neue Roman "Der Gefangene des Himmels" beginnt mit einer Begegnung der unheimlichen Art.
Barcelona, Dezember 1957: Die Buchhandlung Sempere & Söhne. Der junge Buchhändler Daniel Sempere begrüßt einen seltsamen Kunden. Er wirkt alt, er hinkt und hat ein zerfurchtes Gesicht. Und noch was fällt Buchhändler Daniel auf: Am linken Arm trägt der Kunde eine Prothese: eine Porzellanhand. Er kauft das Buch "Der Graf von Monte Christo", schreibt eine Widmung hinein und bitte Daniel, das Buch jemandem zu liefern. Daniel schlägt das Buch auf der ersten Seite mit dem handschriftlichen Eintrag auf und liest: "Für Fermín Romero de Torres, der von den Toten auferstanden ist und den Schlüssel zur Zukunft hat."
Daniel ist ratlos: Fermín Romero de Torres, so heißt der zweite Buchhändler im Laden. Warum hat der Mann mit der Porzellanhand sich nicht sofort an Fermin gewendet, wenn er ihm das Buch doch schenken möchte? Buchhändler Daniel spürt: Irgendetwas stimmt hier nicht. Also verfolgt er den Unbekannten quer durch die Altstadt Barcelonas.
Als der Unbekannte in einem Stundenhotel verschwindet, kehrt Daniel in den Buchladen zurück. Dort übergibt er seinem Kollegen und Freund Fermin das Buch. Als der die Widmung liest, wird er bleich. Daniel kommt es so vor, als sei er in fünf Sekunden fünf Jahre gealtert.
Etwa an dieser Stelle springt der Autor zurück ins Barcelona das Jahres 1939. Wir erfahren, dass Daniels Freund und Kollege Fermin damals seine Identität ablegen musste. Bei einem windigen Gauner kaufte er seine neuen Papiere, die den Namen Fermín Romero de Torres trugen; der sei angeblich gestorben. Was eine Lüge war, denn der echte Fermin wurde damals ins Gefängnis eingeliefert.
Ins Castell de Montjuïc in der Nähe von Barcelona. Endstation für viele politische Gefangene, Opfer der faschistischen spanischen Diktatur. Aber der echte Fermin will nicht sterben. Also plant er die Flucht aus dem Gefängnis, ganz wie in "Der Graf von Monte Christo". An einem Abend erstickt Fermín den Häftling Nr. 14, der als Mörder und Dieb einsaß. Dann gibt er dem Wärter Bescheid, dass Nr. 14 soeben gestorben sei. Der Wärter gibt ihm einen Leichensack, in den Fermín den Toten zum Abtransport reinstecken soll. Doch Fermin hat eine andere Idee. Er schlüpft in die stinkenden Lumpen der Leiche und zieht ihr seine an. Dann bettet er den Toten seitlich und mit dem Gesicht zur Wand auf die Pritsche und deckte ihn mit der Decke bis unter die Augen zu. Danach schlüpfte er in den Segeltuchsack.
Ist dem echten Fermin damals die Flucht gelungen? Lebt er vielleicht noch? Ist der Mann mit der Porzellanhand vielleicht ein ehemaliger Gefängnisinsasse? Und wieweit betrifft das den Buchhändler Daniel und dessen Freund und Kollegen, der den Namen Fermins angenommen hat?
Carlos Ruiz Zafón versteht es geschickt, die Spannung anzuheizen. Und dabei lässt er sich viel Zeit. Der Roman hat 416 Seiten. Das Hörbuch, sehr gut eingelesen von Andreas Pietschmann, erstreckt sich über 7 Stunden und 27 Minuten. Dabei bleibt der Autor dem in den vorigen Barcelona-Romanen erprobten Stilmix treu: Fantasy, Kriminalstory, Abenteuer- und Bildungsroman. Einzige Schwäche ist die immer wieder überbordende Sprache. Teils arg verschachtelte Sätze und kitschige Sprachbilder. Aber zum Glück entfaltet der Plot einen derartigen Sog, dass man darüber hinwegsehen kann. Alles in allem ein gelungener Unterhaltungsroman. Und der nächste folgt alsbald. Carlos Ruiz Zafón hat von seinem Verlag schon einen saftigen Vorschuss für den vierten Teil seiner Barcelona-Reihe kassiert. Auf den er in diesem Roman schon mal elegant hinweist. Zitat: "Er weiß, dass die Geschichte, seine Geschichte, noch nicht zu Ende ist. Sie hat eben erst angefangen."
(Ravi Karmalker)
| Titel | Der Gefangene des Himmels |
|---|---|
| Buchautor | Carlos Ruiz Zafón |
| Verlag | Argon Verlag, 2012 |
| ISBN | 978 3 839 811 757 |
| Preis | 29.95 Euro |
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