Montag, 20.05.2013
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Steve Hamilton und Reginald Hill
Sendung vom 06. Februar 2013
Variation ist eines der Schlüsselmotive guter Kriminalliteratur: Wie benutzt und erzählt man altbekannte Muster so, dass am Ende etwas Zeitgemäßes dabei herauskommt? Schließlich kann man das Rad bekanntlich nicht ständig neu erfinden. Die März-Krimitipps präsentieren zwei Antworten: Eine unterhaltsame amerikanische Safeknacker-Story von Steve Hamilton - und eine elegante englische Whodunit-Geschichte von Reginald Hill.
Michael, genannt Mike, ist ein Genie - und zwar als "Schrankmann". Mike bekommt jeden Safe auf, er kann die Schließmechanismen der Geldschränke "lesen", er hat das im Blut. Grund seines Talents ist ein traumatisches Kindheitserlebnis. Seitdem spricht Mike kein Wort mehr. Was die ganzen Jobs für "Ghost", den Mann, der ihn ausgebildet hat, nicht eben vereinfacht.
Mit 18 sitzt der Safeknacker im Gefängnis, von da aus erzählt Steve Hamilton seine Geschichte aus der Ich-Perspektive, rückblickend, und zwar auf zwei Ebenen: Hier die Jobs und die Unmöglichkeit, dem "Ghost" zu entgehen, der Mike regelrecht besitzt. Und da die Liebesgeschichte, Mikes Hingabe zu Amelia, der Tochter des Mannes, der ihm den ganzen Schlamassel überhaupt erst eingebrockt hat.
In "Der Mann aus dem Safe" kombiniert Steve Hamilton, geboren 1961, Elemente einer Coming-of-Age-Geschichte mit solchen des Gangsterthrillers, gewürzt mit einer Prise schräger Komik ergibt das eine gut abgeschmeckte Mischung.
Kleiner Tipp: Übersehen Sie vor der Lektüre den Klappentext. Denn der Verlag scheut sich nicht, dort mit einem der entscheidenden Clous, auf den Steve Hamilton 380 Seiten lang hinarbeitet, zu teasen. Aber keine Sorge: Auch, wenn Sie vorab mitbekommen haben, was es mit Mikes talentförderndem Trauma auf sich hat, bietet dieser Roman genügend Ideen und Überraschungen für beste Unterhaltung.
Steve Hamilton: "Der Mann aus dem Safe"
Droemer Verlag. 464 Seiten. Euro 16,99. ISBN 978-3426226216
Schöne Frau, nette Tochter, dickes Konto, gute Freunde: Wolf Hadda hat es weit gebracht, vom Holzfäller zum Millionär, mit Traumvilla und - verdammt hübscher - adeliger Gattin. Hadda stammt aus der englischen Grafschaft Cumbria, mittlerweile lebt er in London, ein cooler Hund, mit allen Wassern gewaschen, und er ist so gut aufgestellt, dass ihm weder die Finanzkrise noch sonst eine Bedrohung irgendetwas anhaben kann. Denkt er zumindest.
Denn als eines Morgens ein dickes Polizeiaufgebot samt diverser Klatschjournalisten vor der Haustür erscheint, nimmt eine fast unfassbare Kette schicksalhafter Schläge ihren Lauf. Hadda wird des Besitzes und sogar der Herstellung von Kinderpornographie verdächtigt, und die Ermittler werden auf seinen Rechnern auch schnell fündig, ohne dass er sich das selbst erklären kann. Aber wer glaubt schon einem, den man der Pädophilie verdächtigt? Hadda wehrt sich, vergebens, er wird bei einem Fluchtversuch entstellt, zu einer endlosen Gefängnisstrafe verurteilt, verliert alles, was ihm etwas bedeutet - und behauptet doch immer und immer weiter steif und fest, unschuldig zu sein.
Keiner glaubt dem vermeintlichen Pädophilen, dann trifft er auf die junge Gefängnispsychiaterin Alva Ozigbo. Alva, halb Nigerianerin, halb Schwedin, tritt an, den vermeintlich unbelehrbaren "Patienten" dazu zu bringen, dass er sich seine "Schuld" eingestehen kann. Aber wie in jedem guten Kriminalroman kommt es immer anders als man denkt.
Reginald Hill, der Anfang 2012 verstarb, war ein großer, alter Mann der englischen Kriminalliteratur; bekannt wurde er durch seine von der BBC erfolgreich verfilmte Serie um die beiden Yorkshire-Ermittler Andrew Dalziel und Peter Pascoe. "Rache verjährt nicht" ist sein Vermächtnis, ein abgebrühter, wendungsreicher, die Erzähltopoi der englischen Kriminalliteratur intelligent variierender Kriminalroman, dessen Eleganz die Lektüre zu einem feinen Vergnügen macht.
(Ulrich Noller)
Reginald Hill: "Rache verjährt nicht"
Suhrkamp Nova. 683 Seiten. Euro 19,95. ISBN 978-3518463901
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