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Eine dunkle Begierde
Sendung vom 25. Juni 2012
Mit Horrorfilmen, die unter die Haut gehen, ist der kanadische Regisseur David Cronenberg berühmt geworden. In seinem Film "Eine dunkle Begierde" hat er sich nun der Väter der Psychoanalyse angenommen: Sigmund Freund und Carl Gustav Jung. Wer hier mal wieder einen beklemmenden Horrorfilm erwartet, wird überrascht. Denn "Eine dunkle Begierde" ist ein ruhiges Kammerspiel.
Beitrag von Francesco Tornabene, Filmexperte
(25.06.12), 3'31
Zürich im Jahre 1904. Wir befinden uns in der psychiatrischen Universitätsklinik, wo Dr. Carl Gustav Jung gerade die Patientin Sabina Spielrein kennen lernt. Die jüdische Russin leidet unter hysterischen Anfällen, und Dr. Jung will sie mit einer neuen Methode behandeln - die wiederum hat sein Wiener Kollege Sigmund Freud entwickelt. Dies ist die Geburtsstunde der Psychoanalyse, die die Behandlung seelischer Erkrankungen revolutionieren wird.
David Cronenberg zeigt uns diesen Augenblick völlig unspektakulär und nüchtern. Überhaupt ist der ganze Film sehr zurückgenommen inszeniert, betrachtet die Ereignisse und Figuren fast wie durch ein Mikroskop. Diese Sachlichkeit steht in einem faszinierenden Widerspruch zu dem, worum es eigentlich geht: intensive Emotionen, unterdrückte Leidenschaften und enorme Schuldgefühle. Sabina Spielrein etwa leidet unter ihren sexuellen Fantasien - quasi eine lehrbuchhafte Bestätigung für Freuds Theorien, wonach alle Neurosen ausschließlich einen sexuellen Ursprung haben. Diese und andere tiefenpsychologische Aspekte thematisiert David Cronenberg in einem erlesen inszenierten Kammerspiel, mit hervorragenden Schauspielern und brillanten Dialogen.
Im Mittelpunkt der dramatischen Handlung - basierend auf einer realen Geschichte - steht dabei nicht nur die Entwicklung der Psychoanalyse, sondern das Verhältnis der beiden Männer, die sie entscheidend geprägt haben. Ihre Freundschaft beginnt damit, dass der 30jährige Carl Gustav Jung begeistert die Ideen seines zwanzig Jahre älteren Mentors Freud übernimmt. Lange sieht es so aus, als würde Jung Freuds wissenschaftliches Erbe antreten. Doch bei aller Faszination für Freuds Theorien hat er von Anfang an auch seine Bedenken und Kritikpunkte. Außerdem betreibt er eigene Studien, die Freud ablehnt, zum Beispiel auf dem Feld der Telepathie und Parapsychologie. Als Jung dann auch noch den Berufskodex verletzt und eine Affäre mit seiner Patientin Sabina Spielrein anfängt, führt das zum Bruch der Freundschaft der genialen Psychiater.
"Hätten diese beiden Männer ihre beträchtlichen Egos überwunden," meint Michael Fassbender im Bonusmaterial der Blu-ray, "so hätten wir vielleicht eine rundere Vorstellung von der Psychologie und der menschlichen Psyche. Es wäre interessant gewesen, wenn sie weitergemacht und die Sichtweise des anderen anerkannt hätten." Fassbender spielt Carl Gustav Jung. Viggo Mortensen verkörpert Sigmund Freud, dessen Ideen nicht nur zu ihrer Entstehungszeit, sondern auch heute noch kontrovers diskutiert werden.
(Francesco Tornabene)
Eine dunkle Begierde
Originaltitel: A Dangerous Method (Deutschland / Großbritannien / Kanada 2011), ca. 96 Min.
Regie
David Cronenberg
Schauspieler
Keira Knightley, Michael Fassbender, Vincent Cassel, Viggo Mortensen u.a.
Bildformat
Widescreen (1.85:1 - anamorph)
Tonformat
Dolby Digital 5.1 in Deutsch
Dolby Digital 5.1 in Englisch
Dolby Digital 5.1 in Spanisch
Dolby Digital 5.1 in Französisch
Untertitel
Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Bonusmaterial
Interviews mit Stab und Besetzung
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