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Das Schwein von Gaza
Sendung vom 02. August 2012
Der überraschend gekommene "Arabische Frühling" und der Konflikt in Syrien haben die Augen der Welt ein wenig vom Nahost-Konflikt und seinen vielfältigen Ausprägungen abgelenkt. Da kommt das Regiedebüt von Sylvain Estibal gerade recht, das mitten im Gaza-Streifen spielt.
Vivian Perkovic im Gespräch mit Lutz Gräfe, Filmexperte
(02.08.12), 3'27
Hier lebt der Fischer Jafaar, der nicht gerade vom Glück begünstigt ist: Auf dem Dach seines Hauses sitzt die israelische Armee, der Fischfang läuft nur mies - auch weil die Besatzer ihn nur bis zu einer Vier-Kilometer-Zone erlauben - und zudem hat er auch noch große Schulden. Als er dann auch noch ein Schwein aus dem Meer fischt, scheint alles vorbei.
Denn was soll er damit machen: Sowohl Juden als auch Muslime verabscheuen Schweine und der UN-Beamte (Ulrich Tukur in einem begnadeten Kurzauftritt) will es auch nicht haben. Aber Jafaar findet eine Lösung: ausgerechnet in der benachbarten jüdischen Siedlung. Das kann natürlich nicht lange gutgehen.
"Das Schwein von Gaza" ist eine Parabel voll zuweilen surrealer Komik, weist aber auch Momente auf, in denen einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Der französische Fotograf und Schriftsteller Sylvain Estibal legt mit seinem Debüt einen unterhaltsamen Film vor, der einen gut gelaunt aus dem Kino entlässt, ohne dass er dabei die Zustände im Gaza-Streifen verharmlosen würde.
Zudem weiß er, wovon er spricht, hat er doch vor einigen Jahren bei einem Fotoprojekt im Westjordanland mit zwei Familien aus den verfeindeten Lagern schon Erfahrungen in der Region gesammelt. Der Film kommt sowohl in Deutsch als auch in der empfehlenswerten dreisprachigen Originalfassung mit deutschen Untertiteln in die Kinos.
(Lutz Gräfe)
Das Schwein von Gaza
Originaltitel: Le cochon de Gaza (Frankreich/Deutschland/Belgien 2011), Komödie, ca. 98 Min.
Regie
Sylvain Estibal
Schauspieler
Sasson Gabai, Baya Belal, Myriam Tekaïa, Gassan Abbas, Khalifa Natour, Lotfi Abdelli, Ulrich Tukur u.a.
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