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Halt auf freier Strecke
Sendung vom 03. September 2012
Nirgendwo wird so viel gestorben wie in Kino- und Fernsehfilmen. Der Tod hat dort aber meistens etwas Abstraktes. Diesem Umstand wollte Andreas Dresen bei seinem vielfach ausgezeichneten Film "Halt auf freier Strecke" Rechnung tragen. Er wollte erreichen, dass wir wieder ein natürliches Verhältnis zum Thema Tod entwickeln und ihm so den Schrecken nehmen.
Beitrag von Francesco Tornabene, Filmexperte
(03.09.12), 3'44
Am Anfang steht die Diagnose. Frank Lange erfährt, dass er unheilbar krank ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Wo andere Filme in so einen Augenblick auf Gefühle oder gar Kitsch setzen würden, schaut Regisseur Andreas Dresen nur sachlich hin. Im Bonusmaterial werden wir erfahren, dass der Arzt, der Frank Lange gerade die Diagnose mitteilt, tatsächlich Mediziner ist. Er ist Chefarzt einer Klinik für Neurochirurgie, und er führt mehrmals die Woche solche Gespräche. In dem Film werden mehrere echte Ärzte in Nebenrollen auftreten. Zum Beispiel eine Ärztin, die Frank psychologisch betreut.
Einmal fragt sie ihn, ob er Angst vorm Sterben habe. So wie Frank dürfte wohl jeder die Frage mit "Ja" beantworten. Andreas Dresen wollte mit diesem Film den Tod aber den Schrecken nehmen. Es geht nicht darum zu bejammern, dass wir alle mal sterben werden. Es geht eher darum, den Tod nicht zu verdrängen, sondern angstlos anzuerkennen, dass er ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens ist. Um das besonders eindringlich zu inszenieren, gab es kein richtiges Drehbuch mit vorgegebenen Dialogen, sondern es gab nur so etwas wie einen "Szenenfahrplan". Die Schauspieler wussten, welche Situationen es geben würde und den Rest haben sie improvisiert. Improvisiert haben aber nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Laiendarsteller, von denen es hier einige gibt. Zum Beispiel jene Ärztin, die Hausbesuche bei Todkranken macht.
Frank Langes Zustand wird sich nämlich schnell verschlechtern. Wir erleben seinen körperlichen und geistigen Verfall, sehen den Alltag eines Sterbenden und beobachten, wie seine Familie damit umgeht. "Halt auf freier Strecke" ist besonders harte Kost, weil in diesem Film alles so glaubwürdig und intensiv ist. Es ist sicherlich kein Vergnügen, sich diesen Film anzusehen, aber es ist ein wichtiger Film, weil er vieles korrigiert, was andere Filme zu diesem Thema falsch machen.
Andreas Dresen zeigt Frank Langes Sterben nüchtern, mit großer Sensibilität, konsequent und radikal, aber auch mit skurrilem Humor. So etwa, wenn Franks Gehirntumor als Gast in der Harald-Schmidt-Show auftritt, wo der Entertainer verblüfft feststellt, dass der Tumor ja eigentlich einen ganz sympathischen Eindruck macht. "Ja, das finde ich auch," meint daraufhin der Tumor, "bin nur verwundert, dass das Frank Lange nicht so sieht." Auch Franks Familie kann das nicht so sehen. Für sie bleibt lediglich die kalte Erkenntnis, dass das Leben nach Franks Tod weitergeht.
(Francesco Tornabene)
Halt auf freier Strecke
Originaltitel: Halt auf freier Strecke (Deutschland 2011), ca. 110 Min.
Regie
Andreas Dresen
Schauspieler
Milan Peschel, Steffi Kühnert, Inka Friedrich, Ursula Werner, Bernhard Schütz u.a.
Bildformat
Widescreen (1.85:1 - anamorph)
Tonformat
Dolby Digital 5.1 in Deutsch
Untertitel
Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Bonusmaterial
Interviews mit Andreas Dresen, Milan Peschel
Harald Schmidt-Show
Audiokommentar Andreas Dresen
Audiodeskription für Sehbehinderte
Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
Pandora Trailershow
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