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Filmtipp

Heiter bis wolkig

Wenn der Ernst des Lebens zuschlägt

Sendung vom 06. September 2012

Mit seinem Kinodebüt "Schule" gelang es Regisseur Marco Petry, die Gefühlswelt von jungen Menschen zwischen Abitur und einer ungewissen Zukunft, zwischen Jugend und Erwachsensein zu porträtieren. Und das in einer guten Mischung aus Tragik und Komödie. Diese Balance bestimmt auch seinen neuen Kinofilm "Heiter bis wolkig".

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Beitrag von Ravi Karmalker

(06.09.12), 3'30


Wenn es auch mal 'ne Ohrfeige bei der einen oder anderen Anmache setzt. Tim und Can können einstecken: Tagsüber Kantinenköche, ziehen die beiden Freunde abends zusammen los, um Frauen aufzureißen. Und zwar mit einer ganz speziellen Anmach-Strategie: Sie geben vor, Krebs zu haben, und bitte, bitte noch einmal mit einer schönen Frau schlafen zu dürfen ...


Nur am Anfang Mainstream

Filmplakat: Die Protagonisten und eine Ziege; Constantin Bild vergrößern

von Marco Petry

Die Anmache ist grenzwertig, der Inszenierungsstil von "Heiter bis wolkig" anfangs eher Mainstream a la Hollywood-Buddy-Komödien: Zwei geil-gescheite Kumpels, die trinken und vögeln wollen, ohne Rücksicht auf Verluste. Aber dann angeln sie sich Marie. Und mit Marie ihre Schwester Edda. Und mit Edda kippt die pubertäre Stimmung, denn Edda hat wirklich Krebs.

Das Sterben. Ein Thema, dass im Deutschen Kino gerne als Symphonie in Grau inszeniert wird. Regisseur Marco Pertry setzt in "Heiter bis wolkig" aber auf Kontraste. Unbeschwert-albern der Auftakt, in den eine ernste Auseinandersetzung reinplatzt: Edda hat nur noch wenige Monate, und eine Heidenangst vorm Sterben. Wie gehen die dauerberauschten Tim und Can damit um? Sie spielen ihr Ich-bin-krebskrank-Spiel weiter. So hat sich Tim Marie gegenüber vorgestellt, und diese Lüge muss er nun aufrecht erhalten, auch wenn er gerne beichten würde.


Geschickte Verbindung von Komödie und Tragik

Szene: Die lachende Edda (Jessica Schwarz) ist mit Tim (Max Riemelt) nochmal so richtig schnell in einem Auto unterwegs; Constantin Bild vergrößern

Nochmal das Leben spüren

Kann Tim seine Krebslügengeschichte abschütteln, ohne Marie zu verlieren? Aber während er noch darüber nachdenkt, ist ihm schon die Krebskranke Edda auf den Fersen, die ahnt: Tim täuscht seine Krebskrankheit nur vor, um mit ihrer Schwester Marie ins Bett zu kommen. Also wird Edda Tim erpressen.

So der Plot von "Heiter bis Wolkig", der geschickt Komödie mit Tragik verbindet. Denn so unbeschwert die Dumpfbacken Can und Tim auch aufschlagen, die Konfrontation mit der Krebskranken Edda wird sie den Ernst des Lebens lehren. Eine Läuterungsdramaturgie, die die Schauspieler schön widersprüchlich aufladen. Vorneweg Jessica Schwarz als kranke Edda, die ihre krebskranke Figur statt als Opfer als Täterin anlegt. Wie sie Tim vor den Karren spannt, um dem Leben nochmals Lust abzutrotzen, Rache an ihrem Ex zu üben und vielleicht auch einer lesbischen Ader nachzugehen, dafür allein lohnt der Kinogang. So schafft "Heiter bis wolkig" etwas, was im Deutschen Kino selten gelingt: Einen Schicksalsschlag mit Augenzwinkern und dennoch mit Niveau zu erzählen.
(Ravi Karmalker)


Filminfos

Heiter bis wolkig
Originaltitel: Heiter bis wolkig (Deutschland 2012), Drama/Komödie, ca. 100 Min.

Regie
Marco Petry

Schauspieler
Max Riemelt, Anna Fischer, Jessica Schwarz, Elyas M'Barek u.a.





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