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Das Bourne-Vermächtnis
Sendung vom 13. September 2012
Vor zwölf Jahren lernten wir auf der Kinoleinwand Jason Bourne kennen, einen Mann, der mit zwei Kugeln im Rücken bewusstlos aus dem Mittelmeer gefischt wurde. Mit Teil drei der Jason-Bourne-Filme schien die Reihe abgeschlossen, weil alles erzählt war. Über Jason Bourne schon, meint Regisseur und Drehbuchautor Tony Gilroy, aber nicht über die Hintergründe der Geschichte, und so hat er einen vierten Teil gedreht, der jetzt in die Kinos kommt.
Beitrag von Francesco Tornabene
(13.09.12), 3'42
"Wissen Sie, was ein Sündenesser ist?" wird der CIA-Agent Aaron Cross am Anfang dieses Filmes gefragt, und dann bekommt er die Antwort. Killer wie Cross sind Sündenesser. Sie sind moralisch unvertretbar, aber für Staaten wie die USA unbedingt notwendig. Cross ist Teilnehmer des wissenschaftlichen Biotechnologie-Experiments "Outcome", das aus ihm eine perfekte Killermaschine machen soll. Der CIA-Agent Jason Bourne war Versuchskaninchen des Vorläufer-Programms. Nachdem Bourne das streng geheime Projekt aber publik macht, muss die CIA umdisponieren, das heißt: alle derzeit aktiven Programme werden gelöscht und die mit ihnen ausgebildeten Agenten getötet. Nur Aaron Cross gelingt es dank seiner besonderen Fähigkeiten zu überleben. Fortan versucht er herauszufinden, warum man ihn umbringen will. Als erstes geht er zu der Wissenschaftlerin Dr. Martha Shearing, die ihn während des Programms medizinisch betreut hat. Was nun folgt, beschäftigt sich mit den physischen und psychischen Konsequenzen des Programms "Outcome" für seine Teilnehmer.
Dafür nimmt sich Regisseur Tony Gilroy viel Zeit und nutzt seine Story ganz nebenbei für Gesellschaftskritik. "Wir wollten zeigen, dass die Verschwörung größer ist, als man durch die anderen Bourne-Filme bisher angenommen hat. Es besteht eine sehr reale Gier danach, Soldaten mit mehr Energiereserven, höherer Schmerztoleranz und weniger Schlafbedürfnis zur Verfügung zu haben. Der Krieger, der schneller heilt, schneller lernt und schneller Informationen verarbeitet, ist der Traum eines jeden kommandierenden Offiziers." Sämtliche Technologien, von denen im Film die Rede ist, behauptet Co-Autor Dan Gilroy, befinden sich derzeit entweder in der Entwicklungsphase oder werden bereits von den US-Geheimdiensten eingesetzt. Eine unheimliche Vorstellung.
Nach den Attentaten des 11. Septembers, heißt es, arbeitet die us-amerikanische Rüstungsindustrie tatsächlich mit Biotechnologien oder experimentiert mit ihnen. "Die wissenschaftlichen Aspekte der Handlung basieren auf tatsächlichen Forschungen," erzählt Gilroy weiter. "Meine phantasievollen Ideen zu 'Outcome' sind schon lange in die Praxis umgesetzt worden sind. Es ging nur noch darum, uns zu fragen, was geschehen würde, wenn alles außer Kontrolle geriete." Das, was dann passieren könnte, zeigt Gilroy in einem Thriller, der die Fans der bisherigen Bourne-Filme vielleicht enttäuschen wird.
Zum Beispiel, weil Matt Damon nicht mitspielt, sondern die Hauptrolle von Shooting-Star Jeremy Renner verkörpert wird. Er macht seine Sache als Versuchsperson, die man ausschalten will, aber ziemlich gut. Enttäuschend könnte für die Fans auch sein, dass der Regisseur das atemberaubende Tempo und die schwindelerregend-rasante Schnitt-Technik der Vorgänger stark gedrosselt hat. Dafür kann man Tony Gilroy aber nicht dankbar genug sein. Was als Schwäche dieses Filmes kritisiert worden ist, kann man nämlich als Stärke empfinden. Gilroy setzt auf eine Action, die einen nicht als absolute Reizüberflutung nervt, sondern die man nachvollziehen kann. Aber keine Sorge, wenn es Action gibt, ist sie immer noch ziemlich beeindruckend und rasant in Szene gesetzt.
(Francesco Tornabene)
Das Bourne-Vermächtnis
Originaltitel: The Bourne Legacy (USA 2012), ca. 135 Min.
Regie
Tony Gilroy
Schauspieler
Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacy Keach, Albert Finney, Oscar Isaac, David Straihairn, Scott Glenn u.a
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