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Die Kunst, sich die Schuhe zu binden
Sendung vom 20. September 2012
Es ist immer wieder interessant, wenn Überraschungserfolge aus dem Ausland in unsere Kinos kommen. Oft kann man nicht nachvollziehen, warum gerade dieser oder jener Film zum Kassenschlager wurde. Bei der schwedischen Komödie "Die Kunst, sich die Schuhe zu binden" geht das aber sehr einfach.
Beitrag von Francesco Tornabene
(20.09.12), 3'24
Alex ist am Boden zerstört. Er hat seinen Job verloren, und dann setzt ihn seine Freundin auch noch vor die Tür, weil er mal wieder Verabredungen nicht einhält. Eigentlich war das aber alles abzusehen. Alex liebt seine Freundin und seine kleine Tochter, doch man kann sich einfach nicht auf ihn verlassen. Zu sehr hängt er noch seinen Träumen nach und kriegt einfach nichts auf die Reihe. Also packt der sympathische Spinner seine Sachen und zieht zu seinem Bruder. Als erstes muss sich Alex einen Job besorgen, was leichter gesagt als getan ist, denn er hat keine Ausbildung. Zum Glück sucht ein Behindertenheim einen Betreuer. Eine Wohnung gibt es gratis dazu, da kann Alex nicht nein sagen. Was nun folgt, ist absehbar, aber trotzdem amüsant in Szene gesetzt.
Alex mischt mit seiner unkonventionellen Art das Heim auf. Vor allem hinterfragt er immer wieder die Abläufe. So zum Beispiel den täglichen Unterricht, in dem die erwachsenen Behinderten lernen sollen, sich selbst die Schuhe zu binden. Lustlos folgen sie den Anweisungen der Lehrerin. "Wo bleibt denn da der Spaß", fragt Alex und steckt mit dieser Frage seine Schützlinge an.
Damit sind wir mittendrin in einer liebenswerten Komödie, bei der man gut nachvollziehen kann, warum sie in Schweden einen so großen Erfolg hatte, dass bereits eine Fortsetzung gedreht wird. Potential dafür liefert dieser Film jedenfalls reichlich. Dabei geht es nicht unbedingt um den Protagonisten Alex, dessen Entwicklung hier klar vorgeschrieben ist: Er wird natürlich ein besserer Mensch und lernt endlich, Verantwortung zu tragen. Es geht vielmehr um seine neuen Freunde und um die Erkenntnis, dass sie jenseits ihrer Behinderung ganz eigene Persönlichkeiten mit durchaus großen Talenten sind. Zwei der Frauen können zum Beispiel sehr gut singen. Dieses Talent gilt es zu fördern, und wie das im Film passiert, beruht auf einer wahren Geschichte.
Es geht dabei um das berühmte Behinderten-Theater "Glada Hudik", das 1996 gegründet wurde und inzwischen acht Produktionen auf die Beine gestellt hat. Mit ihrem letzten Stück, das den Titel "Elvis" trägt, sind sie sogar erfolgreich am New Yorker Broadway aufgetreten. In dem Film nun treten sie auch auf, sie spielen sich quasi selbst.
"Die Kunst, sich die Schuhe zu binden" erzählt letztlich von der Kunst, verantwortungsvoll seinen Platz im Leben zu finden und sich gegen alle Widerstände selbst zu verwirklichen. Die Botschaft ist nicht neu, wie dieser Film inszeniert worden ist, auch nicht, das schmälert aber nicht den Spaß, den man haben kann, wenn man Alex und seine behinderten Freunde auf ihrem Weg zu kleinen Erfolgen begleitet. Ein schöner Film mit starken, ungewöhnlichen Helden, auf die man sich schon in der Fortsetzung freuen kann.
(Francesco Tornabene)
Die Kunst, sich die Schuhe zu binden
Originaltitel: Hur manga lingon finns det i varlden (Schweden 2011), ca. 100 Min.
Regie
Lena Koppel
Schauspieler
Sverrir Gudnason, Vanna Rosenberg, Mats Melin, Theresia Widarsson, Bosse Östlin, Ellinore Holmer, Maja Carlsson, Marie Robertson u.a.
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