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This ain't California
Sendung vom 04. März 2013
Schon mal den Begriff "Rollbrettfahrer" gehört? In der DDR wurden Skateboards so genannt. Am Freitag kommt ein dokumentarischer Film mit dem Titel "This ain't California" auf DVD heraus, der sich genau damit beschäftigt: mit dem Phänomen Rollbrettfahrer in der DDR. Klingt dröge? Ist es aber keineswegs.
Beitrag von Francesco Tornabene, Filmexperte
(04.03.13), 3'48
Eine Beerdigung, irgendwo in Berlin. Der junge Soldat Denis Panicek ist während eines Einsatzes in Afghanistan gefallen. Die Beerdigung führt seine Freunde nach vielen Jahren der Trennung das erste Mal wieder zusammen. Sie trauern. Gleichzeitig fragen sie sich, wie es kommen konnte, dass Denis, der sein Leben lang Regeln und Autorität gehasst hat, zum Militär geht.
In dokumentarischen Rückblenden erzählt "This ain't California" nun die Geschichte von Denis Panicek, den alle nur "Panik" nannten. Die Rückblenden führen in die DDR der achtziger Jahre. Wir befinden uns in einer Magdeburger Plattenbausiedlung. Alles ist trist und grau. Hier wächst Denis als Sohn einer staatstreuen Familie auf.
Der Junge wird von seinem strengen Vater zum Leistungsschwimmer gedrillt, doch Denis hat eigentlich keine Lust darauf, Olympiagold zu holen. Viel lieber hängt er mit seinen Freunden ab und fährt Skateboard.
"Okay, Skateboarden und DDR, das klingt für die meisten Leute irgendwie abwegig", sagt einer von Denis' Freunden in dem Film. "Ist es aber so gar nicht, eigentlich. Auf so was wie skaten kommen Kinder von ganz allein. Gib doch mal einem Kind etwas, das rollt, schubs es in so eine Betonwelt und es wird auf die gleiche Idee kommen. Mit Amerika hat das nichts zu tun." Stimmt.
Es hat eher etwas mit dem Entstehen einer eigenen Jugendkultur zu tun. Die Heranwachsenden stiegen auf ihre Rollbretter und rollten durch die Betonwüsten des real existierenden Sozialismus der roten Sonne einer bis dahin unbekannten inneren Freiheit entgegen. Ihr Paradies fanden sie dabei in Ostberlin, auf dem Alexanderplatz, um genau zu sein.
Das Entstehen dieser neuen Subkultur und das Lebensgefühl der Jugendlichen zeigt "This ain't California" in mitreißenden Bildern, die untermalt sind von einem fetzigen Soundtrack. Auch wenn man sich nicht für Skateboarden interessiert, taucht man schnell ein in das Universum dieser Halbwüchsigen, denn eigentlich geht es hier nicht unbedingt ums Rollbrettfahren, es geht vielmehr um den Freiheitsdrang einer Generation, die endlich ein selbstbestimmtes Leben führen wollte.
Die Skaterszene der DDR wird hier in einem wilden Mix aus Dokumentarfilm, gespielten erfundenen Szenen, Trickfilmpassagen und videoclipähnlichen Impressionen gezeigt. Was dabei Realität und was Fiktion ist, interessiert kaum noch, viel wichtiger ist die Wahrhaftigkeit des Lebensgefühls, das dieser Film in vielen Super-8-Aufnahmen vermittelt.
Dabei wird auch die Frage, ob es die DDR-Skaterlegende Denis "Panik" Panicek wirklich gegeben hat, schnell zweitrangig. Seine erfundene Lebensgeschichte wirkt jedenfalls echt, und der Schauspieler, der ihn hier verkörpert, macht dem Spitznamen der Hauptfigur alle Ehre. Für neunzig Minuten wird man hier "Paniks" Weggefährte und lernt durch ihn jede Menge Rollbrettfahrer kennen.
(Francesco Tornabene)
This ain't California
Originaltitel: This ain't California (BRD 2012), ca. 90 Min.
Regie
Marten Persiel
Darsteller
Kai Hillebrand, David Nathan, Anneke Schwabe u.a.
Bildformat
16:9
Tonformat
5.1 Stereo Deutsch
Untertitel
Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch
Bonusmaterial
Making Of
Galerie
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