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Gutes Gewissen erkaufen
Sendung vom 18. September 2012
Die Frage, ob Klamotten ethisch vertretbar hergestellt, oder doch von Kinderhänden genäht sind, könnte so manchen Shopping-Trip im Netz vermiesen. Jetzt gibt es ein Plug-In, das uns verspricht, nur Kleidung zu zeigen, die sicher nicht durch Kinderarbeit hergestellt wurden. Alle anderen Artikel werden einfach weggeblendet.
Anna-Bianca Krause im Gespräch mit Emily Thomey, Funkhaus Europa-Reporterin
(18.09.12), 4'20
Dieses Plug-In heißt aVOID und kann von der entsprechenden Webseite herunter geladen und ohne weiteren Aufwand installiert werden. Wenn man dann auf den einschlägigen Shoppingseiten wie beispielsweise Zalando, Amazon oder Otto surft, sieht man neben Schuhen, Kleidern und Hemden auch kleine aVOID-Zeichen. Alle Produkte von Firmen, die mit Kinderarbeit assoziiert werden, sind weggeblendet und durch diese aVOID-Zeichen ersetzt.
Einfacher könnte Onlineshopping mit gutem Gewissen nicht sein. Die Frage, ob eine Firma Kinderarbeit im Produktionsprozess zulässt, ist aber viel komplexer und vor allem brisanter als das Plug-In oberflächlich vermittelt. aVOID basiert auf einer Liste der gemeinnützigen Organisation Earth Link aus München. In den letzten sieben Jahren hat Earth Link von mittlerweile über 300 Firmen befragt und Informationen gesammelt zu ihrer Unternehmenspolitik, ihrem Engagement gegen Kinderarbeit, ihren Kontrollen der Produktionsstätten in Ländern wie zum Beispiel Indien oder Bangladesch.
Und auch, ob es konkrete Vorwürfe gegen die Firmen gibt. Earth Link stuft die Firmen dann in grün, gelb und rot ein. Wer sich in einem der Kriterien - Unternehmenspolitik, Engagement, Kontrollen oder Vorwürfen - nicht klar gegen Kinderarbeit positioniert, bekommt einen roten Punkt und wird vom Plug-In herausgefiltert. Bernhard Henselmann, Geschäftsführer von Earth Link, erklärt, dass "ganz viele von den roten Punkten daher entstehen, dass es keine Informationen gibt, weder im Netz noch auf direkte Nachfrage".
Für Earth Link gilt: Wer nicht informiert, der muss erstmal mit einer negativen Bewertung rechnen. Dass heißt: Earth Link und ihr Plug-In aVOID setzen auf die Bringpflicht der Unternehmen. Wer keinen roten Punkt haben will, muss informieren. Eine sehr radikale und auch plakative Methode, die die Unternehmen aber motiviert, sich klar zu positionieren. Wer nicht auf Email-Anfragen von Earth Link reagiert, wird mit einem roten Punkt bestraft. Dieses Vorgehen wurde bereits von Firmen moniert. Aber genauso hätten Firmen ihre Punktfarbe durch nachträgliches Informieren ändern können.
Außerdem birgt die Liste von Earth Link, auf die das Plug-In basiert, ganz detaillierte Informationen darüber, warum es zu den einzelnen Bewertungen gekommen ist. Earth Link versucht also nicht, Firmen ungerechter Weise anzukreiden, sondern geht ganz transparent mit ihren Bewertungen um. Wer sich informieren will, warum die Produkte bestimmter Firmen geblockt wurden, kann das auf der Seite von Earth Link tun. Bei dem Plug-In aVOID und der Liste von Earth Link geht es ausschließlich um Kinderarbeit, betont Bernhard Henselman: "Wir haben nicht die Kapazitäten, mehr aufzulisten. Das wäre einfach ein unglaublich großes Feld: Arbeitsrechte, Gesundheitsfragen, ökologische Kriterien." Wer also beruhigt onlineshoppen will, kann mit aVOID weitgehend sicher sein, dass keine Kinderhände mitgearbeitet haben.
(Emily Thomey)
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