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"Parada"
Sendung vom 13. September 2012
"Parada" war die Erfolgsüberraschung der diesjährigen Berlinale und Gewinner des Publikumspreis in der Sektion Panorama. Der Film des serbischen Regisseurs Srdjan Dragojević, thematisiert die schwierige Situation der Schwulen und Lesben auf dem Balkan. Trotz des Erfolges, erntete der Film sowohl in Deutschland, als auch in den Balkanländern heftige Kritik.
Niko Aslanidis im Gespräch mit Nenad Kreizer, Funkhaus-Europa-Reporter
(13.09.12), 4'26
Parada handelt vom Versuch einiger Aktivisten der Schwulen- und Lesben-Szene, in Belgrad eine Gay-Parade zu organisieren. Da sie von rechtsradikalen Schlägern bedroht werden und auch der Staat wenig Interesse zeigt, sie zu beschützen, wenden sie sich an eine private Sicherheitsfirma. Deren Inhaber ist ein Kriegsveteran. Er selber hasst zwar Schwule, nimmt aber seiner Frau zu Liebe diesen ungewöhnlichen Job an. Helfen sollen ihm dabei seine ehemaligen Kriegsgegner aus Kroatien, Bosnien und dem Kosovo.
Von Anfang an war klar, dass so ein Film in der Region zu drehen nicht ganz selbstverständlich sein wird, da die Grundstimmung in Bezug auf die Schwulen auf dem Balkan nicht unbedingt freundlich ist. Die bisher einzige Gay-Parade in Serbien, die 2010 stattfand, war von gewalttätigen Ausschreitungen rechter Extremisten begleitet.
Trotz der feindlichen Stimmung gegenüber der Schwulen- und Lesben-Szene, war "Parada" im ex-jugoslawischen Raum ein Riesenerfolg. Über eine halbe Million Menschen haben sich den Film angeschaut, was für dortige Verhältnisse, wo einheimische Filme in Kinos selten gezeigt werden, ein enormer Erfolg ist.
Zu verdanken ist das vor allem dem Regisseur: Srdjan Dragojević ist im Raum des ehemaligen Jugoslawiens ein richtiger Star. Ihm gelangen Filme wie "Mi nismo andjeli" ("Wir sind keine Engel"), den man als den letzten jugoslawischen Filmhit bezeichnen kann. Das war 1990. Nach dem Balkankonflikt, war Dragojević der erste, dem ein starker Film über den Krieg gelungen ist. "Lepa sela lepo gore" ("Schöne Dörfer brennen schön"), war ein Hit im ganzen Gebiet und zwar zu einer Zeit, als alle Verbindungen zwischen den befeindeten Seiten noch unterbrochen waren. Trotzdem wurde der Film auf dem Schwarzmarkt verbreitet. Mit "Parada" gelang Dragojević der erste, wie er selber sagt, post-jugoslawische Film, an dem Filmemacher aus fast allen ehemaligen jugoslawischen Republiken mitgewirkt haben.
Erfolgreich ist der Film aber auch, weil Dragojevic sich für dieses schwierige Thema das Format einer Komödie ausgesucht hat. Und dabei meisterhaft mit Klischees und Stereotypen spielt. "Klischees sind nun mal der Treibstoff der Komödie. Auch Shakespeare und Moliere haben Klischees und Stereotypen benutzt, um ein breiteres Publikum zu erreichen", sagt Dragojevic.
Aber Erfolg beim Publikum war das eine. Doch die Vertreter der Schwulen und Lesben Szene in Deutschland, aber auch auf dem Balkan, hingegen sind auf Parada nicht gut zu sprechen. Der Hauptvorwurf der Kritiker - Dragojevic trivialisiert so ein ernstes Thema wie die Lage der Schwulen und Lesben auf dem Balkan durch Klischees und vor allem durch Humor.
Eine der wichtigsten deutschen Publikationen, die sich mit Gay-Themen im Film befasst, die Berliner Zeitschrift "Sissy", hat es abgelehnt, über Parada zu berichten. Sissy wirft Dragojevic vor, Kriegsgräueltaten zu verharmlosen und Schwule als Menschen zweiter Klasse darzustellen. Ähnliches kann man auch von der Schwulengemeinde auf dem Balkan hören. Man spricht von "melodramatischem und kommerziellem Kitsch" und "pathetischen Aufklärungsversuchen".
Dragojevic lehnt die Kritik ab und behauptet, dass sein Film in seinen erzieherischen Anstrengungen schon viel Erfolg gezeigt hat. Einige Szenen des Films drehte er 2010 bei der Gay Parade in Belgrad. Und die ersten "erzieherischen" Maßnahmen hätten schon Erfolg gezeigt. "Mich riefen viele meiner Freunde an, deren Söhne im Teenageralter sind und die vorletztes Jahr unter denen waren, die die Gay Parade in Belgrad durch Gewalt verhindert haben. Die kommen jetzt, nachdem sie 'Parada' gesehen haben, und sagen, dass sie nicht länger Hass auf Homosexuelle verspüren", berichtet Dragojević.
Tatsache ist, dass in der Disskusion um "Parada" das Lob überwiegt. So nannte der Direktor der Panorama Sektion der Berlinale, Wieland Speck, "Parada" einen "mutigen und wichtigen Film".
(Nenad Kreizer)
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