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Alltag im Lager
Sendung vom 23. Oktober 2012
Die beiden zu zwei Jahren Haft verurteilten Bandmitglieder von "Pussy Riot" wurden aus Moskau in verschiedene Straflager verlegt. Nadeschda Tolokonnikowa muss ihre Strafe in Mordwinien antreten, etwa 450 Kilometer südöstlich von Moskau. Unsere Reporterin Olga Kapustina war gerade in dieser Region, die für ihre Gefangenenlager aus der Stalin-Ära bekannt ist.
Anna-Bianca Krause im Gespräch mit Olga Kapustina, Funkhaus Europa-Reporterin
(23.10.12), 7'24
Entlang der asphaltierten Straße, die von den Wäldern und Sümpfen umgeben ist, stehen die 18 Straflager von Mordwinien. Die goldenen Kuppeln der Kirchen erheben sich über die Zäune mit Stacheldraht. Unzählige Wachtürme. Hier gibt es Lager für verschiedene Gefangene: für die zur lebenslangen Haft Verurteilten, für Ausländer, Frauen, Männer, ehemalige Polizisten, Mütter mit kleinen Kindern und chronisch Kranke.
Die Kolonien, wie die Lager dort genannt werden, wurden vor rund 80 Jahren, während der Stalin-Zeit, gebaut. Damals hießen sie noch Arbeitslager. In den Sowjetzeiten wurden dort viele so genannte "Feinde des Volks" gefangen gehalten. Um die Lager herum bildeten sich kleine Siedlungen, wo die Mitarbeiter der Kolonien wohnen. Das Leben in diesen Dörfern ist durch die Strafanstalten bestimmt. Sie sind die wichtigsten Arbeitsgeber vor Ort.
Als Aufseher verdient man im Monat um die 400 Euro. Und die Holzhäuser mancher Einwohner sehen nicht viel besser aus als die Baracken, in denen die Gefangenen wohnen. Im weiblichen Straflager Nummer 13 verbüßen etwa 400 Frauen ihre Strafe. Im Wartezimmer für Besucher hängen Regeln für die Inhaftierten an der Wand. Sie müssen ihr Bett nach einem festgelegten Muster machen, fleißig arbeiten, Uniform tragen und höfflich sein. Wer diesen offiziellen Regeln nicht folgt, wird bestraft.
Der Tagesablauf im Lager ist strikt geregelt. Die Gefangenen schlafen in den Baracken, bis zu hundert Frauen in einem Zimmer. Sie werden morgens um 6 Uhr geweckt, gehen frühstücken, dann zur Arbeit. Bis zu zwölf Stunden am Tag müssen sie als Näherinnen arbeiten. Für diese Arbeit erhalten sie im Monat etwa 10 Euro. Einmal pro Woche dürfen die Frauen duschen.
(Olga Kapustina)
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