Samstag, 25.05.2013
Sie befinden sich hier:
WDR.de
Funkhaus Europa
Themen
Gucken Türken "Wetten, dass..?"
Zwei Deutsch-Türken, die endlich wahrgenommen werden wollen, wie alle anderen: Sie ist Designerin, er Filmer und beide sind es leid, über Kopftücher zu diskutieren. Bei Funkhaus Europa erzählen sie, wie sie mit Klischees spielen und Vorurteile brechen wollen.
Melisa Karakus und Oemer Mutlu bekennen Farbe: renk. - Das heißt Farbe auf Türkisch. Und so soll auch das erste deutsch-türkische Designmagazin heißen. Schön soll es werden und es soll endlich mit den alten Vorurteilen und immer gleichen Klischees aufräumen.
Melisa und Oemer haben beide türkische Eltern, und beide sind in Deutschland bzw. Österreich groß geworden. Nichts Besonderes, sagen sie. Deutsch-Türken sind keine Ausnahmeerscheinung, die hin und her gerissen zwischen zwei Welten leben und von den Deutschen schlecht behandelt werden. Deutsch-Türken sind längst hier angekommen und bestens integriert, finden die beiden. Wie die beiden selbst, gehen viele Deutsch-Türken jeden Tag zur Arbeit, haben coole Berufe, tolle Ideen und arbeiten an spannenden Projekten. Nur leider tauchen darüber fast keine Geschichten in den Massenmedien auf. Bis jetzt. Denn renk. will sich ausschließlich diesen Ideen und Projekten widmen.
Im Internet ist das Projekt bereits angelaufen. Auf facebook wurde das neue Magazin innerhalb von zwei Wochen 500 Mal geliked. Für die Macher noch wichtiger ist aber die Diskussion, die sie angestoßen haben. Auf knallbunten Bannern fragen die beiden: Warum haben Türken Angst vor Hunden? Oder: Gucken Türken "Wetten, dass..?" Und: Welches Deutsche Wort lernt der Türke als erstes? Sie scheinen einen Nerv zu treffen.
Sie wollen mit den alten Vorurteilen und Klischees brechen. Und werben doch damit. Denn irgendwie muss man ja anfangen, findet Melisa Karakus. Man müsse die Menschen abholen und mitnehmen. Nur so könne sich wirklich langfristig etwas in ihren Köpfen verändern. Es scheint zu funktionieren: Im Netz diskutieren viele mit: Türken, Deutsche und Deutsch-Türken. Das ist genau die Interaktion, die sich die beiden Herausgeber wünschen. Denn renk. soll ein Mitmach-Magazin werden. Deshalb arbeiten die beiden daran, einen Blog auf die Beine zu stellen, auf dem die eigenen Arbeiten und Arbeiten von anderen veröffentlicht werden können. Und das Beste dieses Blogs soll als Printversion gedruckt werden.
renk. Magazin: Call for entriesÄsthetisch anspruchsvoll soll es werden. Weder deutsche Fahnen noch einen Halbmond wollen die beiden in ihr Logo einbauen, grinsen die beiden. Stattdessen wollen sie auch mal unbequeme Fragen stellen und über die türkische Gay-Community oder über türkische Transsexuelle berichten. renk. soll eben eine Plattform werden für alle Themen, die Türken, Deutsche und Deutsch-Türken interessieren. Das können auch mal Tabubrüche sein. In erster Linie aber sind es Menschen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Wie die bayrische Band, die Volkslieder auf Türkisch singt. Und der erste türkische Opernsänger an der komischen Oper in Berlin. Dessen erstes deutsches Wort war übrigens "ordnungsgemäß".
(Jennifer von Massow)
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.