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Khuê Pham
Sendung vom 05. September 2012
Wo kommst du her? Wo sind deine Wurzeln? Mit diesen Fragen wird Khuê Pham immer wieder konfrontiert. Das asiatische Aussehen und der fremde Name bestimmen die Wahrnehmung, doch die 31-Jährige wurde in Berlin geboren. Für sie gibt es kein fernes Heimatland, die Journalistin ist hier daheim. "Keine Ausländerin, aber auch keine Deutsche - was bin ich dann?", fragt sich die Journalistin.
Als Kind vietnamesischer Einwanderer wächst Pham in Berlin-Hermsdorf auf. Der Ort ist bürgerlich, und ihre Familie ist es auch. Der Vater arbeitet als Arzt, die Mutter in einer Bank, Khuê Pham geht mit Freundinnen zum Ballett, sie lernt Klavier spielen. Unter Vietnamesen gelten sie als eingedeutscht, für Deutsche wiederum sind sie die vietnamesische Vorzeigefamilie. Die Heimat der Eltern kennt sie nur aus dem Urlaub.
Nach dem Abitur studiert die Berlinerin Soziologie in London. "Meine Eltern haben mich und meine Geschwister immer unterstützt. Wenn sie die Mittel nicht gehabt hätten, hätten sie wahrscheinlich das Haus verpfändet. Vietnamesen investieren alles in die Bildung ihrer Kinder, ganz gleich, ob reich oder arm", sagt Khuê Pham. Im Anschluss an die Journalistenschule bekommt sie einen Job als Politikredakteurin für die Zeit, das Medium Magazin zählt sie zu den Top-Nachwuchsjournalistinnen. Heute gehört sie zu jenen, von denen die anderen sagen, dass sie es geschafft haben: jung, weiblich, Kind von Ausländern und trotzdem Redakteurin bei einer großen Zeitung. Dennoch fühlt sie sich nicht als Teil des Ganzen.
Gemeinsam mit ihren Zeit-Kolleginnen Alice Bota und Özlem Topçu erzählt Khuê Pham nun vom Lebensgefühl der Menschen zwischen den Kulturen. In ihrem sehr persönlichen Buch "Wir neuen Deutschen - Wer wir sind, was wir wollen" berichten die drei Frauen von der Suche nach Identität, der Sehnsucht nach Heimat und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Denn obwohl ihre Familien aus ganz unterschiedlichen Ländern kommen - Polen, Vietnam, Türkei - haben sie ganz ähnliche Erfahrungen gemacht: dass sie alles sind, nur nicht "richtig" deutsch, obwohl sie seit Jahrzehnten hier leben und ihr Zuhause in Deutschland liegt. Sie sind wütend, weil über ihre Köpfe hinweg diskutiert wird, wer zu dieser Gesellschaft gehört und wer nicht und fordern dieses Land auch für sich. "Unsere Eltern sind die Ausländer, nicht wir. Aber Deutsche sind wir deshalb noch lange nicht. Was sind wir eigentlich?" Fast 18 Millionen Menschen tragen hierzulande das Etikett "Migrationshintergrund", sie gehören längst dazu, haben das Land mitverändert. "Es gibt etwas Drittes!", sagen die Autorinnen. Eben die Neuen Deutschen - "Menschen wie wir."
(Carmen Sadowski)
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