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Der Persönliche Gast

Charlotte Wiedemann

Kämpferin gegen Islam-Klischees

Sendung vom 24. September 2012

Weil sie sich selbst ein Bild von der Welt machen wollte, verließ Charlotte Wiedemann die damalige deutsche Hauptstadt Bonn. In Ländern wie Jemen, Pakistan und Saudi-Arabien erfuhr die Journalistin, wie zerrissen und facettenreich diese Gesellschaften sind - und wie unausgewogen die Berichterstattung hierzulande.

Charlotte Wiedemann; Privat/Papyrossa Bild vergrößern

Charlotte Wiedemann

Eigentlich wollte sie garnicht Journalistin werden, studierte zunächst Sozialpädagogik. Doch dann begann sie zu schreiben, wurde schließlich politische Korrespondentin in Bonn. Bis die Regierung nach Berlin zog. Charlotte Wiedemann beschloss, als freie Autorin in Südostasien zu arbeiten, zog auf die Insel Penang in Malaysia, schrieb dort Reportagen für deutsche Wochen - und Monatsmagazine. Am 11. September 2001 war sie in Malaysia, erlebte aber erst zurück in Deutschland, wie die Attentate die Sicht auf den Islam grundsätzlich verändert haben.


Kein fairer Umgang mit dem Islam

Umgeben von lauter selbsternannten Islamexperten wollte Charlotte Wiedemann "wissen, was ist". Sie begann gezielt in muslimische Länder zu reisen, zunächst nach Pakistan, später unter anderem auch in den Iran, nach Saudi-Arabien und Libyen. Und sie erfuhr dabei, wie zerrissen und facettenreich diese Gesellschaften sind. 2008 schrieb sie das Buch "Ihr wisst nichts über uns" - eine Sammlung von Reportagen, in denen sie unterschiedliche Ausschnitte muslimischer Welten beschreibt. Auch eine Replik auf eine - wie sie sagt - einseitige und mitunter Panik schürende Berichterstattung in den Medien.


Plädoyer für Journalismus mit Eigensinn und Respekt

Denn gerade das vermisst Charlotte Wiedemann vor dem Hintergrund der Umwälzungen in der Medienlandschaft. Viel zu viel Energie werde da auf eine "zeitgemäße" Verpackung verwendet - der Inhalt hingegen sei dann bestenfalls "abgestanden". Gewaltige Nachrichtenmengen prasselten auf Medienmacher und Konsumenten ein, der Hintergrund bleibe aber auf der Strecke.

Daher setzt sich die Autorin in ihrem neuesten Buch "Vom Versuch, nicht weiß zu schreiben" für einen respektvollen und verantwortungsvollen Journalismus ein. Gerade mit jüngeren Lesern will sie ihre Erfahrungen teilen und lädt zum gemeinsamen Nachdenken ein.
(Sabine Loeprick)



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