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Künstlerlexikon Portrait

Attwenger

Herkunft: Österreich
Attwenger; Rechte: Attwenger Bild vergrößern

Attwenger

Gesendet am 19.11.06 in der Matinee

"I have no idea, what it's all about, but I like the general noise - a great deal". So löste BBC -Moderator John Peel das Problem, Attwengers Stil zu beschreiben. Allerlei Schubladen wurden schon gezimmert: Alpen-Polka-Punk, Dada-HipHop, Mundart-Groove, Gstanzl-Rap, Jandl-Funk, bloß "neue Volxmusik? bitte nicht!" Denn von der "Schräg Dahoam"-Szene um Hubert von Goisern haben sich die beiden Linzer Markus Binder (Text, Gesang, Schlagzeug, Programmings) und Hans-Peter Falkner (Knopfakkordeon, Gesang) inzwischen emanzipiert: "Das mit der Volksmusik ist gegessen. Mir haben's aufgegessen und dann ausgesondert."

Seit 1990 attackiert das Duo mit einsilbig betitelten Alben ("Most", "Pflug", "Luft", "Song") und lakonischem Minimalismus selbstironisch die Provinz im Kopf, fischt im Gartenteich des Volkstümlich-Traditionellen nach dem Rebellischen und grillt den Fang voll auf die zwölf, staubtrocken hiphoppig oder hypnotisch technoid. Immer konstant: die sparsame Instrumentierung und der emotionslos vorgetragene Dialekt. Dieser ist das Teleobjektiv, mit dem Binder auch auf dem neuen Album "Sun" (das österreichische und englische Wort für Sonne) auf die rhythmische Leichtigkeit des Seins fokussiert: "Es gedscho, es gedscho, es gedscho wieda weida" [ "Gedscho"] oder "Mia dan wos ma dan und mia dan a wos aundas" ["Sie dan"].

Neu ist die politische Konkretheit dieser Slang-Poetry, die unverblümt den gesamtweltlichen Rechtsruck im Allgemeinen und den Österreichischen im Speziellen kommentiert; in der Anti- FPÖ -Hymne "Kaklakariada" z.B. ("Diese gaunzn Patriotn, nationale Idioten") oder in den Zeilen "Es ist soweit gauns gmiadlich, bis auf des dass ana schpinnt" ["Kalender"]. Außerdem gibt es hier erstmalig die extended version of Attwenger in Form dreier Gast-Auftritte (die serbische Blaskapelle Boban Markovic Orkestar, die Münchner Post-Rock-Band Couch und der Jazz-Noise-Gitarrist Fred Frith), den trockensten Snare-Sound aller Zeiten und - last but not least - den Alpen-Blues "Rehn 1" mit der unmissverständlichen Hookline "I hea eam rehn", flankiert von einem sibirischen Maultrommelsolo. Gedscho!

Mit "Dog" geht es in eine neue Runde alpinen HipHops, stampfender Polka-Loops und bitterböser Lyrik mit gelegentlicher Nähe zum Dada. Ein Novum: Erstmals haben sich Remixer an die Attwenger-Minimalismen gewagt. Das verleiht den ohnehin verschrobenen Kreationen eine zusätzliche untergründige Dimension von Dub über Electro bis Drum&Bass.


Discographie:

  • Most (Trikont, 1991)
  • Pflug (Trikont, 1992)
  • Luft (Trikont, 1993)
  • Song (Trikont, 1997)
  • Sun (Trikont, 2002)
  • Dog (Trikont, 2005)
  • Dog 2 - Remixes (Trikont, 2006)
  • Di Kia (1990, Neuauflage 2007 auf Nur.Schrec)

 

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