Mittwoch, 22.05.2013
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Chao, Manu
Vorgestellt am 03.09.07 in Funkhaus Europa
Man kommt schlecht umhin, ihn erst einmal als Kopf der spanisch-französisch-nordafrikanischen Kooperative namens Mano Negra vorzustellen, die mit ihrem Latin Punk schon in den 1980ern erst die französische Rockszene aufmischten, und später dann den Initialfunken für die alternative Rockszene in Lateinamerika zündeten. Die Band trennte sich Mitte der Neunziger nach erschöpfenden Tourneen durch Südamerika, mal an Bord eines Schiffs die gesamte Küste des Kontinents entlang, mal auf einem Zug durch das kolumbianische Hinterland.
Ihr einstiger Sänger Manu Chao geht nun eigene Wege, und mit "Clandestino", seinem ersten Soloalbum, hat der Spanier eindrucksvoll bewiesen, dass er eine CD auch fast im Alleingang zustande bekommt. "Clandestino" heißt "heimlich, verstohlen" und deutet auf die Heimatlosigkeit der "illegalen" Einwanderer hin, um deren Problematik es im Titelstück geht. Populärer noch als dieses wurde das Kinderlied "King Of The Bongo" mit seinen echolotartigen Gimmicks. Chao singt in einem Kauderwelsch aus Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch von den Schattenseiten der Globalisierung, aber auch von weltumspannender Solidarität.
Durch sein politisches Engagement, seine unverhohlene Sympathie für die Zapatisten in Mexiko und durch seine Freikonzerte, etwa bei den Demonstrationen am Rande des G8 -Gipfels in Genua, ist er zu einer musikalischen Symbolfigur der globalisierungskritischen Bewegung geworden. Nach einer zweiten Studio-CD und einer ausgiebigen Welttournee, die ihn zuletzt noch in die entlegensten Winkel Osteuropas geführt hatte, schied er Ende 2002 aus seinem Vertag mit dem Plattenmulti Virgin, ohne ihn zu verlängern - auch das wollte er als eine demonstrative Geste gegen den Stellenabbau bei dem Musikkonzern verstanden wissen.
Während neue Werke auf dem neugegründeten, eigenen Label Radio Bemba in Vorbereitung sind, hat er sich vorerst mit dem Zeichner Wozniak zusammengeschlossen: Das Buch "Sibérie M'Était Contéee" ist ein Gesamtkunstwerk aus Paris-Poesie, lustigen Satirezeichnungen und chansonesken Miniaturen auf der Begleit-CD.
Sechs Jahre hat Manu Chao seine Fans auf Album Nummer 4 warten lassen. "La Radiolina" vereint seine Latino-Punk-Vergangenheit mit Mano Negra, seine Verspieltheit, seine Revolutionsromantik, sein Faible für alles Spanisch-Südamerikanische und alle Randfiguren der Gesellschaft, die Frieden- und Freiheitssehnsucht, die babylonische Sprachvielfalt und nicht zuletzt seinen unverschämten Charme. Ein mehr als internationales Album, was nicht zuletzt an den fünf verschiedenen Sprachen auf "La Radiolina" liegt. Unterstützung bekam er von so illustren Persönlichkeiten wie Diego Maradona oder Beatnik, einem der Ansager des Krankenhaus-Radios La Colifata. Produziert wurde das Album von Mario Caldato, der Mann der auch schon bei den Beastie Boys am Werk war.
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