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Künstlerlexikon Portrait

Michael Franti

Herkunft: Kalifornien, Amerika
CD-Cover Yell Fire!; Rechte: Anti

Michael Franti and Spearhead: Yell Fire!

Vorgestellt am 07.08.06 in Funkhaus Europa

Kontrovers und provokativ greift der Poet und Spoken Word Artist seit zwei Jahrzehnten Themen wie Rassismus, Armut und AIDS auf, koppelt sie mit den positiven Botschaften von Lebensfreude und Liebe - eine lichte, hoffnungsstiftende und zugleich engagierte R&B-Variante fürs 21 Jahrhundert. Zum Karrierebeginn allerdings gab er sich radikaler. Als Bassist für die Band Beatnigs startete der Mann aus San Francisco 1986 seine Karriere und reihte sich mit mutigen Texten afro-amerikanischen Hintergrunds in die Philosophie von Bands wie Arrested Development oder Living Colour ein und demolierte auch schon mal Gegenstände auf der Bühne.

Sechs Jahre später mutierte er mit einem Bandmitglied zu den Disposable Heroes Of HipHoprisy, zu denen auch der Jazzgitarrist Charlie Hunter stieß - die rassistischen Medien und das brachliegende Bildungssystem waren die Angriffsziele. Wiederum zwei Jahre darauf wurde Frantis Hauptprojekt Spearhead geboren, das eine starke Rückorientierung zu den klassischen Sounds der Black Music vollzog, mit Reverenzen an Marvin Gaye, Curtis Mayfield und Bob Marley, die sich zunächst im Debütalbum. "Home" niederschlugen. Franti engagierte sich in der Folgezeit verstärkt gegen die Todesstrafe und Globalisierung.

Das lyrische HipHop-Werk "Stay Human" schlug 2001 noch höhere Wogen als vorherige Produktionen - es ist gleichsam eine Meditation über soziale Gerechtigkeit und zentriert sich um die fiktive Geschichte einer schwarzen Aktivistin, die unschuldig zum Tode verurteilt wurde. Ein bewegendes Statement im poetischen Geiste des Franti-Freundes Gil Scott-Heron, eklektisch im Sound mit Färbungen aus Folk, Jazz, Reggae und Rock.

Das darauffolgende Spearhead-Werk gelangte durch einen Anti-Bush-Song und die Zeile "You can bomb the world to pieces, but you can't bomb it into peace" weltweite Berühmtheit in der Friedensbewegung. Mit einer neuen Spiritualität versuchte er, der Welt ein Gegengift zur Kriegsangst zu vermitteln, musikalisch noch weiter ausgreifend, vom Motown-Soul bis hinein in Rock und Bossa und mit teils verletzlichem Vokaltimbre.

Neuerdings engagiert sich Franti auch außerhalb der USA auf der politischen Bühne: Mit der Filmdoku "I Know I'm Not Alone" hat er seine Solidarität mit israelischen Kriegsdienstverweigerern bekundet und war dafür mit Menschenrechtlern, seinem Manager, seinem Schlagzeuger und seiner Gitarre nach Israel und Palästina geflogen. Die Erlebnisse in den Kriegsgebieten bestimmen denn auch maßgeblich sein neues Werk "Yell Fire!", zu dem u.a. Sly & Robbie, Gentleman und Pink als Studiogäste geladen waren und das wiederum ohne Scheuklappen zwischen Dub, Reggae, HipHop, Soul und Rock oszilliert.


Discographie:

  • Songs From The Front Porch (I-Music, 2003)

mit Spearhead:

  • Home (Capitol, 1994)
  • Chocolate Supa Highway (Capitol, 1997)
  • Live At The Baobab (Boo Boo Wax Records, 2000)
  • Stay Human (Boo Boo Wax Records/Six Degrees, 2001)
  • Everyone Deserves Music (Labels, 2003)
  • Love Kamikaze (Liberation Music, 2005)
  • Live In Sydney (MVD, 2005)
  • Yell Fire! (Anti, 2006)

mit Disposable Heroes of HipHoprisy:

  • Hypocrisy Is The Greatest Luxury (Island, 1992)
  • Spare Ass Annie And Other Tales (feat. William S. Burroughs) (Island, 1993)

mit Beatnigs:

  • Beatnigs (Alternative Tentacles, 1988)

DVD:

  • I Know I’m Not Alone (Epitaph, 2006)

Buch:

  • I Know I'm Not Alone: A Musician's Journey Through War And Occupation in Iraq, Palestine & Israel (Mandala Media, 2006)

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Haroun Sweis

Moderation:
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