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Künstlerlexikon Portrait

Trio Mocotó

Herkunft: Brasilien, Amerika
Trio Mocotó; Rechte: Trio Mocotó Bild vergrößern

Trio Mocotó

Livemitschnitt vom Trio Mocotó Konzert am 04.04.04 in der Harmonie Bonn gesendet am 01.10.04 in World Live

Sie behaupten, die Jedi-Ritter der brasilianischen Musik zu sein, d.h. entweder sie gehören der Kategorie Sci-Fi-Spinner an oder sie haben eine Überdosis Selbstironie. Beim Trio Mocotó ist keine Verwechslung möglich, denn der Humor ist allgegenwärtig in ihrer Musik, ob sie sich nun mit Samba-Klassikern vergnügen, ob sie den brasilianischen Komiker Beto Hora als rasenden Fußballreporter in einen Song einladen, eine Samba mit Drum'n'Bass verkuppeln oder mit unveröffentlichten eigenen Songs wie "De hoje nao passa" die eigene Vergangenheit persiflieren.

Die Wirkung ihrer Musik hat mehrere Standbeine: Die cartoonmäßig männliche Stimme von Nereu Gargalo, den man auch die brasilianische Antwort auf Louis Armstrong nennt, dazu der vielseitige Klang seiner Pandeiro, die mehr Flohzirkus als Trommel ist; die kollektiven Gesänge der Drei, die sich in jedem Refrain breitmachen und ein herrlicher Kontrast zu den Solostimmen sind. Der Siebzigerjahre-Bass hat kein Problem mit den sehr subtil eingesetzten elektronischen Spielereien und Joao Parahybas Timba, diese brasilianische Schwester der Djembe, kommuniziert in ihrer tiefen Lage mit allen Beteiligten.

Das Trio Mocotó ist eine Legende der Musica Popular Brasileira. Sie holten Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger nicht nur Einflüsse aus Rock, Blues, Soul und Funk in die Samba, sie gehörten auch einer Generation an, die sich der afrikanischen Einflüsse in ihrer Musik bewusst wurden. Im Jogral, einem der wichtigsten Clubs jener Zeit begleiten sie nationale und internationale Stars, wie Duke Ellington, Oscar Peterson oder Nelson Cavaquinho und werden zur beliebtesten brasilianischen Rhythmusmaschine, die sich Freiheiten in jede Richtung nimmt. Parahyba nennt die Musik jener Zeit "Samba meets James Brown", alle anderen geben der Samba-Renovierung Namen wie Samba Rock, Samba Soul oder Samba Soul Beat.

In Jorge Ben, der ebenfalls im Jogral auf das höllische Trio trifft, finden die Musiker einen Komplizen, sie werden sein Perkussion-Rückgrat, gehen mit ihm auf Tournee und ins Studio. Doch allen Erfolgen zum Trotz löst sich das Trio Mocotó 1975 auf und legt eine 25jährige Kunstpause ein. Die Familie habe er ernähren müssen, sagt Joao Parahyba, der als Musiker das schwarze Schaf einer besseren Familie in Sao Paulo war. Die unbeschwerte Party-Musik des Trios passte wohl zu wenig in die Zeit, die Zensur in der damaligen Militärdiktatur, auch sie erschwerte das Leben der Künstler.

Erst 2000 tauchten die drei wieder auf, nachdem ihre alten Stücke ob ihrer tanzanregenden Wirkung von DJs weltweit auf die Plattenteller gelegt wurden. Seitdem ist das Trio Mocotó wieder aktiv und kaum noch zu bremsen, wie auch "Beleza! Beleza!! Beleza!!!", die zweite CD nach dem Comeback zeigt. Der einzige Unterschied zu früher ist der Weggang von Fritz Escovao, er wurde ersetzt durch den Multiinstrumentalisten und Produzenten Skowa. Das virtuose Cuica-Spiel von Escovao macht er mit seiner Croonerstimme wett. Ob Forró-infizierte Klassiker wie "Chiclete com Banana", bewährte Samba-Schlachtrufe wie "Ziriguidum" oder romantische Balladen wie "Onde anda o meu amor" von Orlandivo, das Trio Mocotó schreckt vor keiner Samba zurück und das ist gut so!


Discographie:

  • Samba Rock (2001)
  • Beleza! Beleza!! Beleza!!! (2004)

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